Das hatte seinen guten Grund.

Stephan hatte ihn einmal bei der Flasche ertappt.

Das war ein furchtbarer Auftritt gewesen, und einen Augenblick sah es aus, als wollte er den Säufer erwürgen. Dann aber ließ er ihn los, wie von Ekel geschüttelt, und gab ihm nur einen Stoß. Aber der sandte ihn sausend bis zu den Schweineställen, und seither trug er den Kopf verbunden und rührte selbst den halben Liter Wein nicht an, der ihm von Rechts wegen jeden Tag zukam.

»Herrgott! die Kraft, die dieser junge Riese in seinen Fäusten trug ... Nein, mit dem war nicht zu spaßen ...!«

Auch Maria zitterte, wenn sie seine Stimme im Hof oder in den Ställen donnern hörte, und dachte immer:

»Der Vater war auch streng ... aber so ... so nicht ... Freilich hatte er recht, denn das waren Schädel, die man suchen mußte ...«

Aber sie empfand doch geheime Angst vor ihm und kam sich manchmal vor wie eine von den Mägden. Ja, sie begann zu beben, so oft er in die Küche kam, selbst wenn er gut und sanft redete, denn immer war etwas in seinen Augen, das früher nicht da war, etwas Böses, Wehes.

Das alles wurde viel ärger mit den ersten Frühlingstagen, und Maria kam aus der Angst und dem Herzklopfen nicht mehr heraus. »Es gibt ein Unglück,« dachte sie hundertmal. »Es gibt ein Unglück.« Und sie erinnerte sich an Geschichten, die sie gehört und gelesen hatte von Leuten, die andere im Jähzorn erschlugen.

Eines Morgens aber war Stephan fort. Ohne Gruß, ohne Weisung war er wieder gegangen, und Maria glaubte zu wissen, wohin. Hinauf zur Alm, woher die vielen Schneebäche kamen, daß das ganze Land rauschte. Hinauf zur Alm, wo man besser atmen konnte, wenn einem Zorn und Weh in der Kehle stak. O! es war leicht, so etwas zu tun. Einfach davonzugehen und Pflicht und Arbeit dazulassen ...

Aber bald dachte sie wieder weicher und versöhnlicher.