»O die Schande ...!«

Er knirschte mit den Zähnen und machte in seinem Herzen feierliche Gelübde. Nie ... nie wird er sie wieder allein lassen. Und ein Bauer wird er fortab sein, wie sich's gehört. Ein musterhafter Bauer. Und beginnen wird er damit, daß er den besoffenen Knecht entläßt, denn solche Leute gehören nicht auf einen ordentlichen Hof ... und der Mensch war ihm von jeher zuwider ...

Darauf fühlte er sich etwas erleichtert, und während er die erregten Schritte mäßigte, verlor er sich in Sinnen, wie es künftighin auf seinem Hofe gehen würde. Nichts und niemand störte ihn darin. Als er aber auf die große Lärchenwiese kam, von der man schon die Türme der schönen Villa ragen sah und von der es nimmer weit zum Klausenhofe war, sagte jemand unendlich süß und unendlich schelmisch:

»Nun haben Sie wieder gedichtet, Herr Klausen.«

Wie einfach immer die großen, die wahrhaft großen Dinge sind! Er staunte nicht darüber, daß sie plötzlich da war, daß sie vor ihm stand in ihrer ganzen jungen wunderbaren Holdseligkeit, sondern er staunte nur darüber, daß etwas so Großes, etwas so Schönes so einfach sein konnte. Und mitten in diesem Staunen dachte er daran, daß er ohne Hut, mit freiem Hals und bloßen Knien war. Da schämte er sich und wurde rot bis hinauf zu den blonden Büscheln. Gleich aber ärgerte er sich dieser Scham.

»Herrgott! ... er war doch in Innsbruck gewesen und wußte mit Frauen umzugehen ...« Und sein Blut sprang auf wie eine Woge im Sturm.

»Ja,« sagte er, »ich habe gedichtet. Ich habe etwas gedichtet von einem alten Bären, der um eine junge Prinzessin freit.«

Darauf errötete sie ganz leicht, sagte aber rasch und sicher:

»Das könnte nie wahr sein.«

Er nickte.