Nach diesen Worten verzog sich ihr Mund zu einem höhnischen Grinsen. »Ist es also schon so weit, daß Sie die Männer satt haben? – Es hat Sie wohl schon einer in die Tinte gebracht?«

Ohne ein Wort zu erwidern drehte ich ihr den Rücken, und seitdem vermied ich sie, wo und wie ich nur konnte.

Nach und nach haßte ich alle Leute, mit denen ich in Berührung kam: den Bäcker, der das Brot brachte, weil er immer ein rohes Wort wußte, das mir die Lider niederschlug und die Wangen färbte, den Milchmann aus demselben Grunde und die Familie selbst, weil ich sah, daß der Mann ein Lügner war. Zu meiner großen Enttäuschung hatte ich meine acht Kronen noch immer nicht erhalten und schrieb daher meine Gedichte, die sich in jener Zeit noch reichlicher als früher einfanden, auf Düten, in denen sich Dinge wie Reis und Mehl befunden hatten und die ich immer sorgfältig aufhob.

Einmal kam ich von einem Spaziergange mit den Kindern nach Hause. Nachdem ich den Kleinen in das Bett gelegt hatte, ging ich rasch in die Küche, um die Milch zu wärmen. Als ich die Küche betrat, sah ich die Frau Direktor an der Schublade stehen, in der sich meine wenigen Sachen befanden. Die Schublade war offen, und die Dame hielt eine jener Düten in den Händen, die ich so gut kannte. Innerlich war ich erschrocken und empört, doch der Respekt, den ich vor der indiskreten Person wenigstens äußerlich hatte, drängte den zornigen Ausruf in mir zurück.

Mit einem Gesicht, dem man Verblüffung und Belustigung ansah, drehte sie sich nach mir um und hielt die Düte hoch.

»Davon haben Sie ja nie etwas gesagt,« sprach sie, anscheinend nicht im geringsten gestört, daß ich sie beim Durchsuchen meiner Sachen überrascht hatte.

»Oh, bitte,« sagte ich und langte nach dem Gedicht, »Das wäre ja nicht der Rede wert gewesen.« Sie lächelte noch immer ein stilles, belustigtes Lächeln.

»Lassen Sie doch, ich zeige das meinem Manne.«

»Um Gottes willen,« rief ich erschrocken.

»Warum nicht? Die Gedichte gefallen mir alle sehr gut.«