»Daß Sie also doch jemand haben?«

»Nein, ich meine, daß ich niemand habe.«

»Aber das Gedicht?« rief sie und sah ungemein belustigt auf die Düte, die nach Kaffee roch.

»Ich weiß nicht, wer das ist ... ich weiß auch nicht, wo er ist, ...« und mit einer plötzlichen Kühnheit: »ich weiß nur, daß er ist.«

»Aber wo und wann haben Sie ihn denn gesehen?«

»Ich habe ihn nie gesehen ... nur,« schloß ich zögernd, »in meinen Gedanken.«

»Oh,« sagte sie, stand auf und gähnte. Sie schickte sich an, die Küche zu verlassen, doch auf der Schwelle drehte sie sich noch einmal um und rief mir zu: »Solange Sie ihn nur in Gedanken kennen, wird er Ihnen nichts schaden.«

Kaum war sie draußen, so stürzte ich mich auf meinen Schrank, riß alle Düten heraus und verbrannte sie im Küchenherd. Ich wartete, bis das letzte Zucken der jähen Flamme vorüber war, dann lehnte ich mich an die graue Küchenwand und weinte bitterlich.

Oh, jene Tränen in jener grauen Küche! Oh, jene Träume in jener grauen Küche! – Keine Minute verließ mich jene unsagbare, unbegreifliche Sehnsucht nach ihm.

Wann würde er denn kommen? – Wann? – Wann? – Wann würde er kommen, um mich fortzunehmen, wie die Prinzen in den Märchen kamen, um eine Gänsehirtin oder eine Spinnerin zu freien? – Irgendwo und irgendwann mußten wir uns doch treffen, und oft frug ich das Schicksal klagend: »Ist der Weg noch lang?«