Manches Mal überkamen mich auch Zweifel. Meine Augen glitten dann gewöhnlich über meine Hände, die mir so dick und rot erschienen. – Wie – wenn er mich aber nicht lieben würde? – Doch schon im nächsten Augenblick flog mir die eine oder die andere Zeile meiner Gedichte durch den Kopf, und während mir vielleicht noch die Tränen in den Augen standen, lächelte ich ein stilles, glückliches Lächeln. Was hatten die Hände – diese Hände mit mir zu tun? – Der Mann, von dem ich träumte, war kein Mann, der ein Mädchen liebte, weil es schön war. – Nein, er war ein Mann, der mich lieben würde – der weißen Gedanken wegen, der reinen Sehnsucht wegen und um denjenigen Teil meines Herzens wegen, der beständig dichtete und träumte.
Einmal hatten wir Waschtag, und ich stand in der Waschküche, die voll Dampf war, als die Türe aufging und meine Mutter hereintrat. »Mutter!« rief ich erstaunt, »warum hast du mir denn nicht geschrieben, daß du kommen würdest?«
»Wir haben so lange von dir keinen Brief bekommen, und als gestern wieder nichts kam, da wurde mir bange, weshalb ich heute herübergegangen bin.«
»Bist du denn gegangen?« Erst jetzt bemerkte ich, daß ihre derben schwarzen Schuhe ganz bestaubt waren und sie selbst recht müde aussah.
»Ja, ich bin gegangen;« und nach einer kleinen Pause fügte sie zögernd hinzu:
»Es geht mit dem Geschäft viel schlechter, und wir müssen unsere Kreuzer zusammenhalten, wenn wir nicht noch mehr herunterkommen wollen.«
Ich fühlte einen stechenden Schmerz in mir und hielt die Tränen nur mit größter Mühe zurück.
»Wenn ich nur Geld hätte, ich würde es euch so gerne geben.«
Meine Mutter schüttelte hastig den Kopf.
»Sei nicht dumm, du brauchst ja deine paar Gulden selbst, – hast du dir schon etwas erspart?«