Zögernd und mit heimlicher Angst frug ich dann, was es kosten würde, und sie nannte nach einigem Nachdenken einen Preis, der mir verdächtig niedrig vorkam.

Ich weiß nicht mehr recht, wie ich an jenem Tage nach Hause kam, ich weiß nur, daß ich den ganzen Weg lief, und die Milch beständig an den Deckel der Kanne schlug.

Als ich der Köchin meine Unterredung mit der Lehrerin berichtete, war sie ganz still. Nach einer Weile aber fragte sie mich, ob ich dächte, daß es schwer sein würde. Ich antwortete ihr, daß ich das nicht sagen könnte, da ich ja nie in meinem Leben Englisch gehört hätte, doch ich glaubte, es sei nicht schwer.

Wie ganz anders wurde nun mein Leben! Ich arbeitete die ganze Woche freudig um des einen Tages willen, der meine Stunde in sich schloß. Ich hatte mir auch ein Buch über die Anfangsgründe der englischen Sprache gekauft, und so oft ich eine Minute erübrigen konnte, nahm ich es zur Hand und lernte daraus.

Meine Lehrerin freute sich anscheinend sehr über meinen Fleiß, doch merkte ich bald, daß sie mir noch andere Dinge beizubringen wünschte als bloß Englisch. Als ich eines Abends wieder einmal mit ihr in dem Zimmer saß, das für mich seinen Zauber nie verlor, fragte sie mich ganz unvermittelt, warum ich denn meine Nägel nie putze, und wie es sein könne, daß ein Knopf an meiner Jacke fehle. Ich schämte mich ungemein wegen der beiden Fragen und stotterte irgendeine Antwort. Ich vermutete schon, sie könne mich nicht leiden, doch ihr gütiges, liebes Benehmen während der übrigen Stunde überzeugte mich vom Gegenteil.

Als ich damals nach Hause kam, fand ich die Köchin bereits im Bett. Sie war erstaunt, daß ich mich nicht wie sonst gleich schlafen legte, sondern in meinem Nähkorb herumsuchte.

»Was wollen Sie denn?« frug sie.

»Eine Schere.«

»Wozu brauchen Sie denn jetzt eine Schere?«

»O, nur für meine Nägel.«