Ich glaubte jedes Wort, das er sagte, und schluchzte leise in mich hinein. »Was soll ich denn tun?« frug ich endlich.

»An deiner Stelle würde ich nicht hinunterfahren, sondern hier in Wien bleiben, und ich werde mich bei meinen Freunden für dich verwenden; vielleicht könntest du eine Stelle als Kassiererin in einem Kaffeehause bekommen.«

»Nein, nein,« rief ich, meine Tränen zurückdrängend, »das will ich nicht.«

»Warum nicht, die verdienen viel Geld und machen gewöhnlich eine reiche Heirat.«

Ich schüttelte sehr bestimmt meinen Kopf. »Das will ich nicht,« sagte ich noch einmal, »da gehe ich lieber nach Budapest.«

Er zuckte gleichmütig die Schultern: »Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen – wann geht dein Zug?«

»Um acht Uhr abends.«

»Das tut mir leid,« sagte er, seine Uhr ziehend, »ich habe um diese Zeit ein Rendezvous, und so kann ich nicht mitkommen.«

»Ein Randewau?«

»Ein Rendezvous,« verbesserte er mich, »da hat man's wieder,« fuhr er achselzuckend fort. »Du weißt eben gar nichts.« Dann öffnete er seinen Überzieher und suchte in seinen Taschen. Endlich zog er ein kleines Büchlein und einen Bleistift heraus und begann emsig zu schreiben. Als er fertig war, riß er das Blatt heraus und gab es mir. »Hier,« sagte er, »habe ich dir die wichtigsten Fremdwörter aufgeschrieben, die du unbedingt kennen solltest, weil heutzutage jeder wirklich gebildete Mensch nur Fremdwörter gebraucht. Und nun viel Glück und Gott befohlen, liebe Schwester.« Er reichte mir die Hand, die ich mechanisch nahm, und als ich aufblickte, war er fort.