Ich erkundigte mich nach dem Bahnhofe und schlug den angedeuteten Weg ein. Nachdem ich meine Karte gelöst hatte, stieg ich in den schon in der Halle stehenden Zug, und beim Schein der schwachen Wagenlampe überflog ich den Zettel, den mir mein Bruder gegeben. Darauf stand:
| Rendezvous | Melange |
| Engagement | Carriere |
| Bureau oder Comptoir | Milieu |
| Pardon | Rouge |
| Toilette | Noir |
| Banquet | Manicure |
Als ich mit dem Lesen fertig war, faltete ich den Zettel sorgfältig und steckte ihn in meine Tasche. Noch während ich damit beschäftigt war, setzte sich der Zug langsam in Bewegung....
Miklos Sandor, der Stellenvermittler, hatte in seinem letzten Briefe an mich bemerkt, daß er mich vom Bahnhof abholen würde, und mich gebeten, ein Taschentuch als Erkennungszeichen in der Hand zu halten. Als ich an jenem Morgen, nach einer vollkommen schlaflosen Nacht in Budapest ankam, stieg ich mit meinem kleinen Koffer in der einen und einem Taschentuch in der andren Hand, etwas schwerfällig aus dem Zuge, da meine Glieder durch das lange Sitzen ganz steif geworden waren. Ich sah mich einige Minuten auf dem Perron um und erblickte dann einen älteren Herrn, der eilig auf mich zukam. »Sind Sie das Fräulein aus Langenau?« frug er; ich bejahte seine Frage und hätte unendlich gerne gewußt, was er von mir dachte.
»Wollen Sie,« sagte er mit einem Blick auf meinen Handkoffer, »einen Wagen haben?«
Ich hatte nur ungefähr zwanzig Kreuzer in der Tasche und schüttelte sofort heftig den Kopf. »Nein, nein!« sagte ich rasch, »ich möchte lieber gehen.«
»Wie Sie wollen, Fräulein.«
Später frug er mich, ob er mir den Koffer tragen dürfte, doch ich verneinte ebenfalls hastig. Nach einem ziemlich weiten Weg trat er endlich in eines der hohen Häuser, und ich nahm an, es sei das Haus der Familie, in die er mich bringen wollte. »Sind wir schon da?« frug ich, und mein Herz schlug mir zum Zerspringen.
»Nein,« sagte er lächelnd, »das hier ist meine Wohnung; ich brachte Sie erst hierher, weil ich vermute, daß Sie etwas Toilette machen wollen. Meine Frau wird Ihnen gerne dabei helfen.«
Er hatte bei diesen Worten eine Tür geöffnet, und wir traten in ein hübsch aussehendes Zimmer. Eine Frauensperson kam herein und grüßte mich sehr freundlich; der Mann sprach einige Worte in ungarischer Sprache zu ihr, die ich natürlich nicht verstand, worauf er sich wieder zu mir kehrte und sagte: »Ich lasse Sie jetzt mit meiner Frau. Sobald Sie fertig sind, bin ich es auch.«