»O nein,« erwiderte ich, »ich werde sehr gerne hier sein.«
Der Stellenvermittler fing nun an, sich zu verabschieden und reichte mir die Hand. »Vergessen Sie nicht, was ich Ihnen gesagt habe,« rief er mir noch zu, und dann ging er.
Die Dame bat mich darauf, mit ihr zu kommen und führte mich in ein Zimmer, das ganz weiße Möbel hatte und worin die drei Knaben um einen runden Tisch saßen. Bei unserem Eintritt erhoben sie sich und sahen etwas schüchtern auf mich. »Das hier ist euer neues Fräulein. Sagt ihr guten Tag.«
Den Kindern gegenüber verschwand meine Schüchternheit vollkommen. Ich reichte jedem von ihnen die Hand und stellte einige Fragen, die sie in etwas gebrochenem Deutsch beantworteten. Dann legte ich meine Sachen ab, und trotzdem ich sehr müde war, beschäftigte ich mich doch sogleich damit, die Knaben zu gewinnen, indem ich ihnen Häuser aus Papier aufbaute und dergleichen mehr.
Nach und nach verlor ich auch meine Schüchternheit der Dame gegenüber, da ich merken konnte, daß sie mit mir zufrieden war. Auch die Kinder hatten mich bald lieb, und der Gedanke, daß man mich fortschicken würde, quälte mich nicht mehr.
Zu tun hatte ich genug; wie auf meiner früheren Stelle hatte ich die Kinder zur Schule zu bringen oder abzuholen. Nachmittags nahm ich sie spazieren, und des Abends setzte ich mich an den runden Tisch im Kinderzimmer und stopfte oder nähte.
Von einem brennenden Heimweh abgesehen, das mich besonders immer abends befiel, war ich ganz zufrieden und glaubte nun endlich gefunden zu haben, was ich so lange gesucht hatte. Nur ein Umstand trübte mein Glück. Ich hatte fast nichts anzuziehen. Es hätte mich das nicht sehr gekränkt, wenn ich nicht gewußt hätte, daß meine Dame mich gern hübsch angezogen gesehen hätte. Sie machte oft eine Bemerkung, die, wenn sie sich auch nicht direkt an mich richtete, mir doch zu verstehen gab, daß sie sich meiner armseligen Erscheinung vor ihren Freundinnen schämte, deren Fräulein so elegant gekleidet waren, daß ich im Anfang glaubte, sie seien auch Damen.
Einmal kam die Frau in das Kinderzimmer und blickte etwas ärgerlich um sich. »Die Kinder sind eingeladen,« sagte sie endlich, »doch mit wem soll ich sie schicken?«
Ich sah sie erstaunt an. »Natürlich mit mir,« sagte ich.
»Unmöglich, Sie können in Ihrem blauen Kleide dort nicht hingehen.«