In dem Zimmer, in das die Kleine mich geführt hatte, befand sich ein vielleicht dreißigjähriger Mann, der anscheinend allein zu Hause war und die Kinder mit Marken, Bildern und anderen Dingen unterhielt. Er grüßte mich in geläufigem Deutsch und mit einer Höflichkeit, wie noch nie jemand mich begrüßt hatte; ich bezwang meine anfängliche Verlegenheit und setzte mich auf seine Aufforderung.

Die beiden Kinder hatten sich in eine Unterhaltung über den möglichen Wert einer ausländischen Marke vertieft, und so wandte der Inhaber des Zimmers sich mir im Gespräche zu. Erst banal, alltäglich, mit einer feinen Ironie in seiner Stimme; dann durch einige meiner Bemerkungen plötzlich interessiert, forschend und ernst. Wir kamen auf ein Gebiet, von dem ich heute noch nicht weiß, wie wir uns dahin verstiegen hatten. Elegant in dem Sessel zurückgelehnt, eine Zigarre im Munde und den Kopf nach hinten, frug er: »Und was glauben Sie, das größer ist: der Rausch oder die Reue; ist der Rausch die Reue wert?« Ich begriff die Frage nur halb und sagte, ich wüßte das nicht. Dann erzählte ich ihm von meinen Gedichten, und er horchte auf und lächelte das feine ironische Lächeln, das ich damals auch nicht begriff. Als ich mich bei ihm mit den Kindern verabschiedete, frug er mich, welche Bücher ich lese.

»Keine.«

Über diese Antwort schien er erstaunt zu sein.

»Darf ich Ihnen aus der Bibliothek welche besorgen?«

Ich fand sein Anerbieten sehr liebenswürdig und sagte, es würde mich sicher freuen. Einige Tage später übergab mir der Hausbesorger ein Paket mit Büchern. Auf dem obersten lag ein kleiner Zettel.

»Ich habe die Bücher in aller Eile gewählt, hoffe aber, die Wahl zu Ihrer Zufriedenheit getroffen zu haben.« Nichts weiter, nicht einmal eine Unterschrift. Sobald ich Zeit hatte, schlug ich eines der Bücher auf. Es war ein Bändchen Erzählungen von Jakobsen. »Morgan« hieß eine der Geschichten. Ich las sie vom Anfang bis zum Ende. Ein Mann, ein Träumer, der heute ein Mädchen leidenschaftlich liebt und sie morgen wieder vergißt. Und um diesen Menschen Bilder von seltsamer Farbe und funkelndem Licht. Das Buch gefiel mir, aber eigentlich verstand ich es nicht. »Haben Sie schon aus den Büchern gelesen?« frug mich mein neuer Bekannter, sobald er mich traf. Ich bejahte es.

»Auch die kleine Geschichte Morgan?«

»Ja.«

»Gefiel sie Ihnen?«