In fliegender Hast und von Schluchzen unterbrochen, erzählte ich ihm meine Geschichte. Noch während ich berichtete, schoß es mir durch den Sinn, daß er vielleicht nach so genauer Angabe meiner Familienverhältnisse mit mir nichts mehr zu tun haben wolle, und als ich fertig war, sah ich ängstlich zu ihm auf. Aber sein Gesicht verriet nichts von dem, was ich befürchtete. Seine Augen hatten jenen tiefen, besorgten Ausdruck, den ich mir gegenüber nun schon so oft wahrgenommen hatte, und sein Mund lächelte das gütige Lächeln.

»Wieviel brauchen Sie ungefähr?« frug er mitten in meine Gedanken hinein.

»Sehr, sehr viel,« sagte ich errötend.

»Wieviel?« drängte er.

»Vielleicht hundert Kronen,« antwortete ich zögernd und dachte, daß hundert Kronen ein ungeheures Vermögen sei.

Er legte seine Hand auf die Türklinke, als ob er sie öffnen wollte, und sah mich bittend an.

»Gehen Sie jetzt, man könnte Sie vermissen ... Morgen mit dem frühesten wird Ihnen der Hausmeister einen Brief übergeben, der enthält, was Sie brauchen ...«

Aber ich ging nicht. Ich drückte mich noch fester an die Mauer und mit einem Gesicht, in welchem die Lippen zuckten, sah ich zu ihm empor.

»Sind Sie böse, daß ich mich an Sie wandte?«

»Sie sind ein Kind,« erwiderte er sehr entschieden, »und ich sage Ihnen jetzt ein für allemal, daß ich Ihr Freund bin, an den Sie sich in jedem Kummer und in jeder Sorge nicht nur wenden können, sondern wenden müssen.« Und während sein Gesicht wieder den bittenden Ausdruck annahm, legte er die Hand noch einmal auf die Klinke. »Aber gehen Sie jetzt ... gehen Sie.« Ich gehorchte wie im Traume.