»Warum soll ich denn aufstehen?«

»Weil ich mich setzen will.«

»Setz' dich doch auf den Boden.«

Diese Antwort machte mich wütend. »Steh auf!« schrie ich jetzt und stampfte mit den Füßen, »der Stuhl gehört uns.« Darauf lachte sie, und nach einer Weile sagte sie noch immer lachend: »Euch gehört gar nichts, es ist euch doch alles gepfändet worden. Ihr habt nichts als Schulden.« Dann sprang sie auf, gab dem Stuhl einen Stoß, daß er zurückflog und rannte davon.

Ich stand wie betäubt und konnte die Worte erst gar nicht begreifen; dann aber erinnerte ich mich an meiner Mutter vieles Weinen, an das traurige Gesicht meines Vaters, und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Scheu und leise wie ein Verbrecher ging ich in das Wohnzimmer zurück und setzte mich ganz still in einen Sessel. Meine Mutter saß am Tisch mit dem jüngsten Kinde im Arme und sah mich erstaunt an. Ich war sonst immer sehr laut und warf gewöhnlich einen Stuhl dreimal um, bevor ich mich setzte.

»Hast du dich mit jemand gezankt?« frug sie sofort.

»Nein. Aber ich möchte wissen, ob es wahr ist, was die Leute sagen.«

Meine Mutter zuckte leicht zusammen. »Was für Dummheiten! Was sagen die Leute?«

»Daß wir nichts haben als Schulden.« Meine Mutter stand auf und legte das Kind auf das Bett, dann zog sie die Tischdecke gerade und blickte dabei ins Leere.

»Wer hat denn das gesagt?« frug sie, wie von ungefähr. Ich sagte es ihr, worauf sie tief seufzte – sonst war es still im Zimmer.