»Würde es dir Freude machen,« sagte sie nach einer Weile, »wenn wir wieder nach Langenau zurückgingen?« Ich war starr vor Staunen und jähem Entzücken. Hilda, Leopoldine, der alte Kirchplatz und hundert andere Dinge fielen mir plötzlich ein und weckten eine maßlose Sehnsucht in mir.
»Wirklich?« rief ich, »oh Mutter, ich würde mich so freuen.«
In der folgenden Woche wurden unsere Möbel abermals aus den Zimmern getragen und wieder zur Bahn gebracht. Wir waren alle sehr aufgeregt, und mein Vater sah ungemein blaß aus. Spät am Abend kamen wir in Langenau an und fuhren zur neuen Wohnung. Das ganze Dorf schlief. Niemand sah uns kommen. – Wir waren ein Jahr fort gewesen.
Die Wohnung, die wir jetzt innehatten, gefiel mir nicht; sie lag ziemlich tief, und an den Wänden lief das Wasser herab, wodurch sich viele dunkelbraune Streifen bildeten. Ich hörte meine Mutter sagen, daß die Wohnung recht feucht und ungesund sei, und daß sie nie gedacht hätte, daß man so herabkommen könne. Darauf entgegnete mein Vater, daß sie sich nur gedulden möchte, er würde schon trachten, etwas Besseres zu finden, sobald nur das Geschäft etwas zu gehen anfinge. Über letzteren Gegenstand sprachen sie noch lange, und ich hörte, daß es sich um ein neues Geschäft handle und daß man wahrscheinlich einige Zeit brauchen werde, um Kunden zu bekommen.
Ich fand die Wohnung hauptsächlich so scheußlich, weil sie eine gute Strecke von dem Hause meiner früheren Freundinnen entfernt war. Dazu befand sich, wie ich den nächsten Morgen herausfand, gar kein netter Hof oder sonst ein Platz zum Spielen und Laufen in der Nähe. Es wohnten in dem Hause noch drei andere Parteien, und meine Mutter ermahnte uns, immer recht still zu sein, da sich sonst die andern Leute beim Hausherrn über uns beklagen würden.
Ich wollte gleich nach dem Frühstück zum Kirchplatze laufen, um zu sehen, ob sich etwas verändert hatte, und wenn möglich Hilda oder Leopoldine zu sprechen. Eben als ich zur Türe hinaus wollte, rief mich meine Mutter zurück.
»Wohin willst du?«
»Fort.«
»Das geht nicht.« In der Stimme meiner Mutter lag etwas wie Pein. »Du siehst, daß ich kein Mädchen habe und daß es hier aussieht wie Kraut und Rüben. Wenn du spazieren gehen willst, so mußt du die zwei Kleinen mitnehmen.«
»Das tue ich nicht,« erklärte ich, wobei mir die Tränen in die Augen traten. »Die sind viel zu klein und können unsere Spiele nicht spielen.«