Endlich hatten nun alle ihre Hüte auf und suchten in ihren Körben und Koffern nach einem Paar Handschuhe, die keine Löcher hatten, nach einem reinen Taschentuch und dergleichen Dingen mehr.
Endlich, endlich setzte sich der Zug in Bewegung; ich hielt mich auf der Straße hinter den Mädchen, weil ich dachte, sie schämten sich meiner. Die Bemerkung der einen aber, sie könne es mir schriftlich geben, daß ich in meinem Aufzuge keine Stelle bekommen würde, verfolgte und peinigte mich, da ich unmöglich lange ohne Stelle sein durfte, wenn ich nicht die Hilfe meines Freundes noch einmal in Anspruch nehmen wollte. Und das wollte ich auf keinen Fall. Ich hatte ihm bis jetzt nur einige Karten von der Reise geschickt, nahm mir aber vor, ihm ausführlich zu schreiben, sobald ich über die Verhältnisse etwas mehr Bescheid wußte. Mit diesen Gedanken beschäftigt, schenkte ich meiner Umgebung weniger Aufmerksamkeit, nur einmal, als wir über eine mächtige Brücke gingen, blieb ich stehen und betrachtete entzückt einen Schwarm grauweißer Vögel, dergleichen ich früher nie gesehen hatte. Es waren Möwen. – Nach vielem Herumwandern, das mich recht müde machte und mir meine Schmerzen in den Knien in Erinnerung brachte, hielten die Mädchen vor einem großen Hause und drängten sich hinein. Das Zimmer, in das ich ihnen folgte, war ziemlich geräumig, und auf den Stühlen und Bänken saßen Mädchen, die anscheinend auch Stelle suchten. Am Schreibtisch hatten eine ältere Dame und ein junges Mädchen Platz genommen, die emsig in großen Büchern schrieben. Die Mädchen wurden der Reihe nach vorgerufen, und nachdem diejenigen, die wir bei unserem Eintritt vorgefunden hatten, gegangen waren, kam die Reihe an uns. Die Blondine trat zuerst vor und setzte sich mit sehr viel Würde auf den Stuhl. »Was ich will,« sagte sie auf die Frage der älteren Dame, »ist eine Stelle, die mir genug Zeit läßt, meine Bekannten bei mir und außerhalb des Hauses zu sehen; ferner übernehme ich nur ein Kind, das nicht unter sechs und nicht über zwölf Jahre sein darf.« Die jüngere der beiden am Schreibtische machte eifrige Notizen. Die ältere lächelte freundlich und erklärte, daß sie gerade nichts Passendes hätte. Darauf verließ die Blondine ihren Sitz mit einem Achselzucken, und eine andere setzte auseinander, was sie wolle und was sie nicht wolle. Auch ihr wurde mit demselben höflichen Bedauern gesagt, daß nichts Passendes da sei. Nachdem jede aufgerufen war und keine etwas bekommen hatte, verließen sie das Zimmer gemeinsam und taten, als ob ich gar nicht da wäre.
Als sie fort waren, atmete ich erleichtert auf und begab mich nun auch zum Schreibtisch.
»Sie sind wohl erst angekommen?«
»Gestern.«
»Ich vermute, daß Sie die Reise angegriffen hat, weil Sie so blaß aussehen.«
»Ich bin immer blaß.«
»Welches sind Ihre Ansprüche?«
»Ich habe gar keine Ansprüche, ich möchte nur recht bald irgendeine Stelle haben.«
»Besitzen Sie Zeugnisse?«