I had a dove und the sweet dove died
And I had thought it died of grieving:
O, what could it grieve for? its feed were tied
With a silken thread of my own hands weaving;
Sweet little red feet! why should you die?
Why should you leave me, sweet bird, why?
You lived alone in the forest-tree,
Why, pretty thing! would you not live with me?

Dieses Gedicht schien mir so einfach, so süß, und ich sagte es immer leise vor mir her, wenn ich die Wäsche wusch oder den Boden scheuerte. Überhaupt ist das so eine Gewohnheit von mir, bei jeder Beschäftigung, die es möglich macht, mir Gedichte aufzusagen. Der Gang eines Gedichtes hat für mich etwas ungemein Beruhigendes, und ich habe die Süßigkeit, die aus einer gleichmäßig wogenden Verszeile auf mich strömt, noch in keiner anderen Form der Dinge gefunden.

In dieser stillen Weise verfloß die Zeit. Mein Freund hatte mir in den ersten Monaten meines Aufenthaltes in England ziemlich oft geschrieben, doch wurden nach und nach seine Briefe sehr selten. Manchmal ließ er mich monatelang auf die Beantwortung meiner Briefe warten, und ich dachte, er habe mich vergessen. Die Sehnsucht, die ich dann in solchen Stunden empfand, kann ich nimmer beschreiben; wie ich täglich und stündlich seine Nähe fühlte und immer auf irgend etwas Unbegreifliches, auf etwas Wunderbares wartete, das ihn mir bringen sollte. In diesem Glauben ging ich so weit, daß ich, so oft die Glocke ging, zusammenzuckte, weil ich meinte, er sei da ... Doch er war es nie ...

Eines Tages sagte mir meine Dame, sie hätte eine Einladung nach Schottland bekommen, könne mich aber nicht mitnehmen. »Ich habe mir nun gedacht,« fuhr sie fort, »daß, da Sie noch gar nichts von London gesehen haben, Sie sich die Stadt ansehen sollten. Am besten wird es sein, wenn Sie dazu für die paar Wochen in das Heim gingen. Selbstverständlich trage ich die Kosten hierfür.«

»Dorthin gehe ich nicht gerne,« erwiderte ich.

»Warum nicht? Das Heim ist ein sehr frommes Heim, und ich bin überzeugt, daß Sie dort gut aufgehoben sind.« Dagegen wagte ich nichts einzuwenden. Die Vorbereitungen zur Abreise wurden noch am selben Tage getroffen, und am nächsten Tage brachte mich die Dame selbst nach dem Heim und empfahl mich der besonderen Fürsorge der Vorsteherin.

Ich wohnte nun wieder in dem Zimmer mit den acht Betten. Ich kannte keines der Mädchen und bemühte mich auch durchaus nicht, sie kennen zu lernen. Als ich aber abends in den Speisesaal trat, wartete meiner eine Überraschung. Jemand rief meinen Namen. Ich wunderte mich sehr darüber und fragte mich, wer das sein könne; welches der Mädchen mich denn kennen könnte. Diejenige, die mich bei meinem Namen gerufen hatte, saß bei Tische und winkte mir mit beiden Händen. »Kommen Sie doch!« rief sie lebhaft. Ich konnte mich nicht erinnern, sie je gesehen zu haben und glaubte schon, daß sie sich in der Person irre, als mir auf einmal einfiel, wer sie sei. Es war meine frühere Bettnachbarin, das Mädchen mit den großen glänzenden Augen und dem reichen braunen Haar. Es freute mich nun doch, daß mich hier jemand kannte und begrüßte. »Suchen Sie eine Stelle?« frug ich einmal während des Essens. »Nein,« antwortete sie, »ich wohne hier,« und dann erzählte sie mir, daß sie deutsche Korrespondentin sei.

Ich hörte kopfschüttelnd zu. »Ich kann nicht begreifen, daß Sie es hier aushalten können.« »Warum?« frug sie. »Wegen des Schlafens,« worauf sie erwiderte, daß sie schon daran gewöhnt sei.

»An so etwas könnte ich mich nie gewöhnen.«

»In dieser Welt,« antwortete sie, »muß man sich an vieles gewöhnen,« und als sie das sagte, wurde ihr Gesicht sehr traurig.