»Bedrückt Sie etwas?« frug ich sie.

»Ja.«

»Wollen Sie es mir nicht sagen?« Ich strich zärtlich bei diesen Worten über ihre Hand.

»Ja,« sagte sie mit so schmerzlicher Stimme, wie ich noch nie einen Menschen hatte reden hören. Dann schloß sie ihre großen, glänzenden Augen, und ganz leise, als ob sie sich fürchtete, ihre eigenen Worte zu hören, erzählte sie mir eine sehr traurige Geschichte. Als sie geendet, weinten wir beide.

»Ist das Kind ein Mädchen oder ein Knabe?« frug ich endlich.

»Ein Mädchen,« erwiderte sie tonlos.

»Und lebt es?«

»Ich weiß es nicht.«

Ich sprang vom Bett auf und sah sie ungläubig an. »Wie ist das möglich, Sie wissen nicht, ob Ihr Kind lebt oder nicht?«

Sie blickte mich mit blöden, hilflosen Augen an, und mein Mitleid quoll empor. »Sagen Sie mir alles,« bat ich mit sanfter Stimme, »vielleicht erleichtert es Ihr Herz.« Und dann erzählte sie mir alles; wie der Mann sich nicht mehr um sie gekümmert, wie sie neun Monate lang gehungert hatte, um ihr Kindchen bei sich haben zu können, – wie sie endlich krank wurde und das Kind fortgab, um es vor dem Hungertode zu schützen. Während der Erzählung flossen ihr die Tränen unaufhörlich über die Wangen, und ich streichelte ihre Hände.