Schleuß mich so streng du willst in tausend Eisen ein,
Ich werde doch ganz frei und ungefesselt sein.

Der Vogel in der Luft, der Stein ruht auf dem Land,
Im Wasser lebt der Fisch, mein Geist in Gottes Hand.

Die Seel ist ein Kristall, die Gottheit ist ihr Schein:
Der Leib, in dem du lebst, ist ihrer beider Schrein.

Zwei Augen hat die Seel; eins schauet in die Zeit,
Das andre richtet sich hin in die Ewigkeit.

Wer sich nicht drängt zu sein des Höchsten liebes Kind,
Der bleibet in dem Stall, wo Vieh und Knechte sind.

Begehrst du was mit Gott, ich sage klar und frei,
(Wie heilig du auch bist) daß es dein Abgott sei.

Wann du die Dinge nimmst ohn allen Unterscheid,
So bleibst du still und gleich in Lieb und auch in Leid.

Wie mag dich doch, o Mensch, nach etwas tun verlangen,
Weil du in dir hältst Gott und alle Ding umfangen?

Wer Gott um Gaben bitt't, der ist gar übel dran:
Er betet das Geschöpf und nicht den Schöpfer an.