»Das darfst mich nicht lang' heißen. Das tu' ich schon. Aber das tun die andern alle auch. Soweit wirst du die Welt kennen,« sagte er und rülpste sich wieder.

»So meine ich es jetzt nicht, Lorenz,« erklärte sie zutulich und strich mit den Handflächen über die Bettzieche weg. »Man müßte sich beim Kaplan nur erst mal gut dranmachen, Lorenz, verstehst du mich, und ihn für sich gewinnen. Verstehst du mich?«

Daisenrieder aber ließ sich wieder auf sein Kissen zurückfallen, schloß die Lider und hörte der Frau Mechthilde zu, halb davon träumend, wie schön es wäre, wenn er die Stelle bekäme, und halb neugierig darauf, was seine Frau ihm nun wieder für Mittel vorschlüge. Er war übrigens zum voraus sicher, daß er keines dieser Mittel anwenden würde, sondern vielmehr ganz seinem eigenen Kopf folgen müsse, wenn er etwas erreichen wollte.

»Der Herr Kaplan sei jeden Mittag um viere in der Schloßkirche und bete sein Brevier, hab' ich sagen hören, und ich selber hab' ihn auch schon dort angetroffen,« sagte sie weiter.

»Jawohl, und was willst du damit?« fragte er aus seinem Dunkel heraus.

»Man müßte die nächsten Tage z. B. mal – eine Wallfahrt machen,« rückte sie endlich heraus.

»Jetzt glaub' ich bald, du rappelst, Mechthild'!« rief er aus.

»Man könnte zum Beispiel ganz gut die Stationen beten, und wenn uns dann noch zufällig jemand vom Schloß sehen tät, wär's auch kein Schaden nicht. Jetzt, wo das Laub von den Bäumen weg ist, sieht man deutlich vom Schloß auf den Kreuzweg hinüber,« redete sie aber unbekümmert weiter. Er lachte immer nur und stieß den Atem so heftig durch die Nase, als wollte er eine Dampfmaschine nachahmen.

»Und zum Schluß täte man die Aufopferung in der Schloßkirche abmachen. Da brauchst gar nit lachen, Lorenz. Das wär' noch gar nichts Einfältiges und auch gar nichts Unrechtes. Und wenn's was nützen tät, wär's dir so lieb wie mir. Das ist nun mal so: wenn man Wasser will, muß man zum Brunnen gehen. Auch ist das Wallfahrten noch nie eine Sünd' gewesen. Und wenn man Gott darum bitten darf, daß man in Himmel kommt, darf man ihn auch darum bitten, daß man Schloßverwalter wird,« sagte sie allen Ernstes. »Daß du aber die Stellung so gut wie jeder andere versehen kannst, wirst mir wohl noch glauben wollen,« schloß sie, an seine schwache Seite sich wendend.

»Sicher mal so gut oder besser als der alte Schloßverwalter selig,« sagte Daisenrieder nun ganz ernsthaft.