»Wenn das Viech mal still wär', hätt' ich nichts dagegen,« schalt er.
»Es ist dem Feilenhauer seiner. Wenn du recht nachguckst, hat der Feilenhauer auch um die Verwalterstell' angehalten. Aber kriegen tut sie halt bloß einer,« redete sie ihm zu, weil sie wußte, daß er nur der Stelle wegen auf den Hund so bös war.
Jetzt klingelte das Ladenglöckchen beim Strumpfwirker drüben, und bald darauf ließ der Nachbar den Rollladen herunter.
»Schon neune,« gähnte Frau Mechthilde in einem langgezogenen hellen Schwung.
»Wär' wirklich nichts Dummes, die Schloßverwalterstelle,« murmelte er nochmals, halb in Schlaf und Traum. – – –
Des andern Morgens ging Daisenrieder zunächst wie gewöhnlich seinen Handwerkspflichten nach. Er schritt also, den Bleistift hinterm Ohr und den gelben Maßstab in der ausgeschlitzten Rocktasche, durch die Baldungsstraße und Goethestraße, rauchte seine Zigarre und überdachte, wie er dem Kleiderschrank der Frau Stiegele wieder auf die Beine helfen könnte. Jedenfalls mußte er sich den Kleiderschrank erst mal ansehen, wenn er ihn aufrichten wollte. Vorher konnte er überhaupt nichts sagen. Die Frau Stiegele hatte da merkwürdige Ansichten. So schnell ging das Ding doch nicht …
Mußte ein neuer Fuß eingesetzt werden. »Würde innerhalb der nächsten acht Tage, spätestens aber bis zum Thomastag erledigt werden,« versprach er der Frau Stiegele.
Nun wollte er heim, um den Kindersarg, der bereits vollendet in der Werkstatt stand, zu Oberlehrers zu tragen, ward aber auf dem Weg vom Rathausdiener aufgehalten, der ihm bekannt gab, daß die Tür zum Sitzungssaal ripste. Nach einer halben Stunde war der Fehler behoben und die Tür konnte nun ohne Ripsen auf- und zugemacht werden. Und Daisenrieder entzündete die vierte Zigarre am Stummel der dritten und wandelte heim zum Vesperbrot.
»Wär' schon recht schön, wenn er, statt so umherzuwalzen, zu einem der schönen Schloßfenster über Wittenberg her und ins weite Tal hinunterschauen dürfte.« – – –
Sein Frühtrunk in der Schwanenwirtschaft fiel heute reichlicher als gewöhnlich aus. Dann sägte er vor dem Mittagessen noch eine Weile an einem Brett herum. »Wär' doch recht schön, wenn – –.«