Als unsere Pilgrime laut betend die Kirche betraten, war noch kein Kaplan zu erblicken.
»Er wird schon kommen,« sagte Frau Mechthilde zwischen ihr Vaterunser hinein und schritt auf die vorderste Stuhlreihe der Frauenseite zu, während ihr Mann Daisenrieder rechts auf der Männerseite Platz nahm.
Dem Grafen in der Galerie oben gefiel der schlichte Sinn dieser Leute. Neugierig guckte er durch eine Lücke des Gitters. Er erkannte die Leute zwar nicht gleich genau und bei Namen, aber er erinnerte sich doch, daß er schon in seiner Sägemühle mit dem Manne zu schaffen gehabt hatte. Und nun kam ihm auch plötzlich der Name des Mannes wieder. Daisenrieder hieß er, ganz richtig, derselbige, der sich auch um die Verwalterstelle gemeldet hatte.
Mit hallender Stimme sprach Frau Mechthilde das Gebet zur vierzehnten Station noch einmal vor. Daisenrieder aber hatte unterdessen den Kopf nach links und rechts gedreht. Denn er war allmählich müde geworden. Und als er sich überzeugt hatte, daß keine Seele zugegen war, sagte er mißmutig: »Das haben wir doch schon gebetet. Ich werd' doch nicht zweimal das Gleiche beten. Überhaupt fang' ich allmählich an, genug zu kriegen.«
»Er kann alle Augenblicke kommen,« warnte Frau Mechthilde und erstach ihn fast mit ihren Augen. Und dann wiederholte sie das Gebet.
»Jedenfalls möcht' ich mich jetzt ein bisserl verschnaufen,« brummte er trotzig. Gleichzeitig ließ er sich auf das Sitzbrett fallen, daß es krachte, holte sein rotes Sacktuch aus der hinteren Flügeltasche und trocknete sich den Schweiß vom Haupt und vom Hals und vom Nacken und blies die Hitze von sich weg.
»Geh, mach keine Dummheiten, Lorenz, nun kann er jeden Augenblick da sein,« warnte sie inständig.
»Dann ist's immer noch Zeit. Ich sag' dir, ich bin hundsmüd',« warf er ihr trotzig zu.
»Du verdummst noch die ganze Wallfahrt.«
»Aber der einzige Dumme bin ich, gottlob, ja nicht. Verstehst mich?« lachte er beißend.