»Sei wenigstens jetzt ruhig! Wenn du schon nimmer mittun willst, so verhalt' dich wenigstens ruhig,« keuchte sie, ihren Zorn hinunterwürgend.
Und jetzt war es so still in dem Gotteshause, daß man einander atmen hörte. Die Stille sang einem förmlich in den Ohren.
»Ich laß mich aufhängen, er kommt nicht,« sagte Daisenrieder nach einer Weile wieder.
»Lorenz! Sei doch wenigstens ruhig.«
Die gemalten Fenster zu beiden Seiten des Hochaltars waren wirklich wunderschön. Die Muttergottes mit dem Kinde und die Engel sahen einen so traulich an, und ihre farbigen Kleider glänzten prächtig im Licht der Sonne. Man konnte schon eine Zeit lang seine Augen unterhalten und gute Gedanken im Kopfe haben, aber alles hatte seine Zeit und sein Ende. Und beten konnte man ja nach all dem Ärger nicht!
»Ich sag's nochmal, ich laß mich aufhängen, er kommt nicht.«
»Jetzt hab doch bloß ein bisserl Vernunft und Geduld, Lorenz!« flehte sie.
Er holte noch einmal das Sacktuch aus der Flügeltasche hervor und trocknete sich noch einmal umständlich ab. Dann entdeckte er einen breiten Lichtstreifen, der durch eine Scheibe auf den Kirchengang hereinfiel. Die unzähligen Sonnenstäubchen wogten darin auf und nieder und hin und her und wirbelten im Kreise herum, wenn er nur das Haupt bewegte oder den Unterarm aufhob und wieder sinken ließ. Das Spiel war wie hergerichtet zum Betrachten und Beobachten. Doch eine Ewigkeit lang konnte man auch das nicht betreiben.
»Weißt was? Jetzt mach' ich mein Kreuz und mach', daß ich hinkomm', von wo ich herkommen bin,« fuhr er plötzlich auf.
»Vielleicht ist er heut verhindert und kommt ein bisserl später,« sagte sie noch einmal in gutem.