Er bückte sich, las die Bruchstücke auf und warf sie zur Seite.
»Das mag lange in der Erde gelegen haben. Oftmals schon stieß meine Schaufel auf solch irdenes Geräte, und viele solcher Gefäße stehen unversehrt im Hause. Die hat der Spittler an sich genommen und verwahrt darin allerlei, was er zu Heilmitteln für die Siechen zusammenstellt oder braut. Siehe, da ist wieder so ein Ding!«
Er hob eine kleine Vase auf und reinigte sie von der feuchten Erde, die daran klebte.
Das Ding mit dem schlanken Leibe und dem zierlichen Halse gefiel dem Gesellen gar wohl, und er sprach: »Wenn ich es hätte, das Gefäßlein, ich wollte es mir verwahren.«
Und der Gartenmeister erwiderte: »Trag es dem Bruder Spittler hinauf, vielleicht schenkt er es dir, denn er hat schon viel davon auf dem Gesimse seiner Arzneistube stehen.«
Das ließ sich Heinrich gesagt sein, nahm das fremdartige Ding und begab sich damit zum Spittler hinauf. Dieser war ein leutseliger Herr und hörte das Anliegen des Gesellen mit Vergunst an. Er sah ihm freundlich ins Antlitz und sprach dann schalkhaft:
»Heinrich Harer, ich habe dir schon längst etwas Gutes zugedacht, weil dein Gebäck uns ohne Tadel zu Hofe kommt. Dies nun hier ist ein gar wundersames Gefäß, das du mir gebracht hast, und dein guter Geist hieß es dich von mir begehren. Denn es stammt aus grauen Zeiten und ward aus dem heiligen Lande nach der Stadt Rom getragen. Und da die Römer vor vielen, vielen Jahren auch hier hausten, so haben sie es in der Erde zurückgelassen und verborgen wie ein seltenes Gut. Aber zum Schatze soll es erst für dich werden durch das, was ich hineingeben will, nämlich etwas Geheimes, was ich aus dem heiligen Lande mitgebracht habe: etwas von einem köstlichen Elixiere. Und so lange du es besitzest, wirst du zufrieden sein. Das merke dir.«
Und er ließ den erstaunten Heinrich stehen, ging in ein Nebengemach und kehrte nach einer Weile mit dem Gefäße zurück. Das war nun mit einem dichten Stöpsel versehen, und etwas wie ein lieblicher Rosenduft stieg daraus empor, trotzdem es sorglich verschlossen war.
»Da nimm, Heinz. Du trägst nun die Zufriedenheit nach Hause, die ist in diesem Gefäße verschlossen. Verwahre es wohl und öffne es niemals, sonst fliegt sie dir davon.«
Er entzog sich dem Danke des Gesellen, der zufrieden mit seinem Schatze in die Stadt zurückging. Zu Hause gab er das empfangene Geld der Frau Walburga, stieg sodann in seine Stube hinauf und verwahrte das wundersame Gut gar sorglich in der Truhe, und dachte noch viel darüber nach, daß er nun die Zufriedenheit bei sich geborgen habe und allen Übeln, die ihn sonst angefaßt, hinfürder stattlich begegnen könne.