Er spottete zwar selber über sich und sprach: »Herz, stelle dich ungebärdig, wie du willst, du hast nun die Zufriedenheit!« betrachtete jedoch das Ding mit Scheu, und der Wohlgeruch, der daraus emporstieg, behagte ihm auf seltsam liebliche Weise.
Seinem Mitgesellen Jost Seydlin aber konnte es nicht lange verborgen bleiben, daß etwas aus der Truhe heraus die Kammer durchduftete, und Heinrich teilte ihm auch mit, daß er ein kleines Töpfchen von Meister Altfried, dem Spittler bei den Deutschherren, bekommen habe und daß er es niemals öffnen dürfe; aber von der geheimen Kraft der Zufriedenheit, die darin verborgen war, berichtete er nichts, weil er selber nicht ganz daran glaubte und doch sich scheute, seinen Unglauben zu verlautbaren.
Dem Jost Seydlin gefiel das Ding, als er es ihm zeigte, gar wohl, und er begehrte es selber zu besitzen. Doch um Geld war es nicht feil und Jost Seydlin sprach mitleidig: »Das ist etwas für ein Weib, das eine feine Nase hat; was willst du damit, Heinz?«
Worauf jener erwiderte: »Daß ich es besitze, dessen bin ich zufrieden. Da sollst du nichts dawider haben, Geselle Jost. Ich will mich an seinem Geruche so lange erlaben, als ich zufrieden bin.«
Und er lächelte ein wenig, als er so sprach.
Jost ließ es dabei bewenden, denn er war gutherzig und mochte sonst auch jedem gönnen, was einer besaß.
Da geschah es aber, daß ein Gesellenschießen des Montags auf Pfingsten stattfand und die Innungen auf die Morellenwiese mit Armbrust und Zielbolzen hinauszogen. Heinrich Harer und Jost Seydlin waren auch dabei und wurden in die Rotte der Bäcker, Müller und Metzger eingeschrieben.
Es war ein gar festlich und fröhlich Treiben auf der Wiese, und viele bewährten sich als gute Schießgesellen, die um die ausgestellten Kleinode warben. In aufgeschlagenen Zelten saßen die Frauen und Mägdlein wohlgeschmückt, in festlicher Tracht, und sie ergötzten sich ehrsam und lobten jeden trefflichen Mann. Auch die alten Meister saßen beim Pfingstbiere und Weine inmitten ihrer Sippe als Häupter, lobten Sankt Martin, indem sie sich gütlich taten, und sprachen sich zustimmend aus über jeden gelungenen Schuß; denn es war eine gute Gesellenschaft zusammengeströmt, die mochte jedweder Innung zum Frommen sich reichlich Lob verdienen.
Der Abstand von den Scheiben ward bis zu 140 Schritten abgemessen, und jeder mußte ehrlich mit schwebendem Arm und aufgereckt schießen, wie es die Satzung gebot. Heinrich Harer und Jost Seydlin hielten sich wacker: die Zielbolzen, die mit ihren Namen bezeichnet waren, staken zumeist im innersten Zirkel der Scheibe. Endlich traf Heinrich zweimal den Nagel und war nahe daran, den ausgesetzten Preis von drei Goldgulden zu gewinnen.
Da sprach Jost Seydlin zu ihm: »Geselle Heinz! wenn ich dreimal den Nagel treffe unter den neun Schüssen, die mir noch bleiben und dir den Preis entraffe, was wirst du dazu sagen?«