»Besänftigt Euer Gemüt, Meisterin,« erwiderte Jost demütig. »Ich weiß von keinem andern süßen Weine, als daß ich Euch zu tief in die hellen Augen geblickt habe, und davon ist mir allerdings eine solche Wirrnis im Haupte erwachsen, daß ich des rechten Gewichtes verfehlt habe. Auch hat vielleicht die Katze am Backtroge gerochen, was alleweil Unheil bringt, wie Ihr wißt, obgleich ich dem Lehrjungen Cyprian aufgetragen, der Katzenwache zu pflegen.«
»Schweig mir davon, böser Schalk, und rede dich nicht auf die Katze aus. Was du getan hast, das ist mir zum Schaden geschehen. Und soll ich etwa schuld sein, daß du keine Augen im Kopfe hast?«
»Meisterin, eben weil ich Augen im Kopfe habe, die von Eurer Holdseligkeit zu sehr erfüllt wurden, habe ich nicht klar gesehen.«
»Höre, Geselle! dieses Werkes, mich unnützerweile anzublicken, sollst du ledig stehen und dich deiner redlichen Arbeit annehmen. Ach, ich armes Weib, nun soll ich ihn gar verblendet haben, daß er Übles schaffe!«
»Nein, Meisterin, Ihr könnt nur zu gutem Schaffen anregen.«
»Schweig still und bring mich nicht noch mehr auf! Deine sanfte Rede achte ich keine Bohne wert, wenn du kein getreuer Knecht bist, der für die Ehre der Wirtschaft sorgt. Was soll nun daraus werden? Kennst du die Sühne, die auf unrechtes Brotgewicht steht?«
»Ich kenne sie, Meisterin; es ist die Bäckerschupfe. Doch nehme ich die Strafe willig auf mich und gehe für Euch gerne ins Wasser, der ich für Euch lieber durchs Feuer ginge. Was ist auch in dieser Sommerzeit schlimmes um ein Bad in der Mur? ich lasse mich gerne da hineinschnellen, und lachen die Leute, so lache ich mit. Weiß ich doch, daß Euch damit alles wieder ins gleiche gebracht wird, was durch dieses mein leidiges Versehen verschuldet wurde.«
»So? Du willst die Strafe für mich auf deinen Leib nehmen?«
»Das ist mir eben und recht, Meisterin.«
»Das mag nicht sein, Jost. Du könntest dich im Wasser erkälten, denn du bist ein überaus zierlicher Geselle. Mir wäre leid um dich. Das muß Heinrich Harer, der Altgeselle, tun, nicht du.«