»Aber, Meisterin, wenn ich mich der Sühne mit Herzenslust unterwinde um Euretwillen und um meines eigenen Fehles willen, was habt Ihr dawider? Ich bitte Euch, so Ihr mir Gunst erweisen wollt, einem, der Euch immerdar getreulich zu dienen hofft, – so laßt mich tun, wie ich gesagt habe.«
»Nein, das mag nicht sein, Jost. Um dich wär' mir bange, daß du dich zu rasch erkühlen könntest. Heinrich ist härter als du, und mag sich dem billig unterwerfen. Laß es dir gesagt sein und widerrede mir in nichts, soll ich dir fürder gut sein.«
Und ihre hellen Augen lachten ihn an, ob freundlich, ob spöttisch, daß wußte er nicht zu deuten; doch war er zufrieden mit sich.
Sie aber dachte: »Wer gibt mir einen gesunden Rat, wie ich Heinrich Harer dazu gewinnen möchte, daß er mir gehorsam sei?«
Und als dieser aus der Mühle heimkam, rief sie ihn freundlich in ihre Stube und hieß ihn, sich nahe zu ihr setzen, weil sie um eine wichtige Sache mit ihm Rat zu pflegen hätte. Sie teilte ihm zuvor das Ereignis haarklein mit, um zu sehen, wie er sich dazu verhalten würde.
Heinrich sprach: »Das ist uns ein Schade und ein Spott. Wie konnte sich Jost also vergessen? Was hat ihm so kläglich den Sinn verwirrt?«
»Was ihm den Sinn verwirrt hat, Heinrich, wie soll ich das wissen? Doch ist geschehen, was nicht zu ändern ist. Aber wenn du mir hilfst, so habe ich nimmer Sorge um mein Leben. Du sollst dich für mein Haus und Gewerke der Sühne unterziehen, und alles wird wieder eben sein wie vorher.«
»Ich? Was sagt Ihr? Das soll Jost tun. Wer kann mich des verübten Fehlers zeihen?«
»Niemand. Aber wenn du die Strafe um meinetwillen auf dich nimmst, so bist du mein Stellvertreter und gibst mir in meiner Bekümmernis ganze Freude, Heinrich.«
»Meisterin, wie könnt Ihr verlangen, daß ich ins Wasser geschnellt werde um etwas, was ich nicht begangen habe, und daß ich dann in törichter Weise umhergehen soll? Das wäre mir leid.«