»Heinrich, mir liegt es am Herzen, daß ich kein Leid an dir sehe; aber auch du sollst mich aus meiner Kümmernis erretten und mein Gewerk wieder frei machen dadurch, daß du dich fügest. Laß dich den Spott der Leute geringe achten; du bleibst nach wie vorher ehrlich und hast meinen Dank gewonnen.«
»Nein, Meisterin.«
Da seufzte sie und sprach:
»Ach, ich armes Weib, wie freundlos und verlassen stehe ich in der Welt, und niemand nimmt sich meiner an.«
Und eine Träne blinkte in ihrem Auge.
Da ward Heinrich bewegt und sagte:
»Meisterin, Ihr tut mir unrecht!«
»Nein; da hast du meine Hand, ich will nichts von dir begehren, was dir unmöglich dünkt zu erfüllen.«
Sie reichte ihm die Hand, die sie lind in die seine schmiegte, und in ihrem blauen Auge blinkte noch immer die Träne, als sie sich bekümmert gegen ihn neigte, und er vermeinte das warme Blut ihres jungen Leibes gegen sich rauschen zu hören; doch war es nur sein eigener Herzschlag, der rascher ging. Und da geschah es, daß er plötzlich einen leisen, feinen Duft einatmete, der ihm überaus köstlich schien; der kam aus dem verschlossenen Kasten, in welchen Frau Walburga die Vase gestellt hatte, die Heinrich vom Meister Spittler, dem Deutschherren, bekommen hatte. Ohne daß er wußte woher, stieg es wie eine bezaubernde Zufriedenheit in seinem Herzen auf; sein dunkler Blick, der noch immer nach der Träne in der Meisterin Auge sah, erglänzte wärmer, und er dachte:
»Wer mag ihr widerstehen, so sie bekümmert ist und holdselig wie nie vorher! Sie wirrt mir beinahe den Sinn.«