Und er sprach: »Meisterin, sei es Torheit oder nicht: ich will tun, was Ihr mich heißet.«

Da dankte sie ihm mit Lächeln und freundlichen Worten:

»Wohlan, du treuer Knecht, du hast es um mich verdient, daß ich dich immer in Ehren halte. Nun geh an deine Arbeit! ich will es dem Meister Graswein vermelden, daß du als mein Stellvertreter die Buße auf dich nimmst.«

Heinrich ging, und als er aus dem Bereiche des jungen Weibes gekommen war, sprach er: »Du hast dich in einen törichten Handel eingelassen, Geselle; aber wer war noch nie ein Tor, so ihn ein Weib dazu machen wollte? Das hörte ich immer sagen und habe es nun an mir selber erfahren.«

Und er war wieder unzufrieden; denn das Gefäß der Zufriedenheit besaß Frau Walburga.

Sie aber ging zu Meister Graswein und teilte ihm mit, daß Heinrich Harer ihr Stellvertreter sei. Das lobte der Zunftmeister und hielt Heinrich für den rechten Mann, Haus und Ehre zu behüten, welche letztere nach vollzogener Sühne wieder hergestellt sein werde. Weil Heinrich sich mit gutem Willen ihres Dienstes bisher immer beflissen habe, so sei er es wert, Gunst von ihr zu empfangen. »Und ist er erst dein trauter Ehewirt, so wird er noch deine Habe mehren, liebe Tochter, obzwar dein Anwesen schon jetzt stattlich ist und du des guten Ackers vor dem Tore und des Weingartens am Rosenberge nicht entbehrst, wie ich weiß. Das sei dir auch herzlich gegönnt, daß du dich wieder mit einem guten Meister deines Lebens freuen magst, denn dir jungem Weibe ziemt solches gar lieblich, wenn auch deine Wange noch mehr erröten wird, als wie jetzt, da ich dieses in Ehren sage.«

»Aber, Vater Graswein,« sprach sie, »wie denkt Ihr gleich so vieles! Behüte mich Gott, daß ich etwas übereilen sollte, was noch lange nicht so nötig ist, als Ihr meint. Habe ich gesagt, daß mein Knecht Heinrich mir so zu Gesichte steht, daß ich nicht an ihm vorbeiblicken könnte? Ach, da müßte ich verunehrt sein, und mein guter Ruf wäre geschmälert! Das sollt Ihr nicht denken, Meister Graswein.«

»Nun, nun, Tochter!« begütigte er sie; »das wird sich alles zur Zeit fügen, und ich gedenke bald fröhlich zu sein, nämlich, wenn du Hochzeit hältst.«

»Das wird noch lange nicht sein,« sagte sie und lächelte dem Altmanne freundlich zu, der ihr auch bedeutungsvoll zunickte, und so schieden sie.

Heinrich aber wartete mißmutig auf den Tag, der ihm von den Zunftältesten, die zur Frist Morgensprache an der Lade hielten, mit Spruch und Forderung bestimmt wurde, für die Verletzung der Brottafel in herkömmlicher Weise zu büßen. Es war der St. Jakobstag, und zwar zur Zeit des Sonnenunterganges, da die Bäckerknechte, die an ihm das Urteil vollstrecken sollten, Feierabend hatten.