Sie schrak zusammen, so daß ihr Busen sich ungestüm hob und senkte, und sie lauschte ängstlich.

Deutlich vernahm sie noch einmal den Ruf: »Frau Walburga!« und er tönte vom Fenster her.

Sie raffte sich auf und schritt hoffend und zagend dahin und siehe! draußen schmiegte sich ein Antlitz ans Gitter, und zwischen den Blumenstöcken hindurch erkannte sie im Dämmerlichte der Nacht Heinrich, der an dem Weinrebenstocke an der Giebelseite des Hauses emporgeklettert war und sie mit Namen anrief.

Sie frug ihn mit unterdrücktem Jauchzen freudiglich: »Heinrich, bist du es?«

»Ich bin's,« flüsterte er, »die Haustüre ist verschlossen, öffnet mir, Meisterin.«

»Warte,« flüsterte auch sie, »ich komme hinab. Ach, es sieht dich wohl niemand vor meinem Fenster?«

»Die Rebenblätter verbergen mich, Meisterin,« antwortete er.

»Laß dich wieder hinab, Heinrich, ich komme gleich.«

Sie zündete ein Lämpchen an, nahm den Hausschlüssel von der Wand und ging leise auf den Zehen die Stiege hinunter, barg das Flämmchen mit der Hand und öffnete die Türe. Er kam herein und sie verschloß wieder die Haustüre, faßte ihn bei der Hand und sprach: »Komm, daß dich niemand sehe!«

Das Gesinde schlief schon, nur aus dem hintern Gebäude, wo die Backstube lag, drang ein Lichtschein in den Hausflur und sie führte ihn hinauf in ihre Stube. Dort angelangt, stellte sie das Lämpchen auf den Tisch und sprach: »Du hast dich in dem Murwasser erkältet, Heinrich.«