„Bloß, daß der ‚Kerl‘ hier immerfort sitzt, dafür bezahlt Sie mein Vater nicht!“ sagte sie.
Das Fräulein wollte sie schlagen. Aber sie schrak zurück vor dem drohenden Ernst in dem blassen Kindergesicht.
Niemals hat jemand gewagt, Mette Rudloff zu schlagen, obgleich vielleicht manch einer die Lust dazu verspürte.
Das Fräulein packte sie am Arm und rüttelte sie. So fest packte sie, daß noch nach Tagen der Abdruck ihrer Finger in bläulichen Flecken auf der zarten Haut zu sehen war.
Es geschah nicht einmal, es geschah hundertmal, daß Mette blaue Flecken am Arm hatte, oder Striemen über der Schulter, oder Kratzwunden an den Händen.
Wenn sie sich hätte beklagen wollen, so wäre ihr Hilfe sicher gewesen. Wenn sie einmal Tante Emilien die Spuren einer solchen Szene gezeigt hätte, statt sie angstvoll zu verbergen, so wäre die „Person“ geflogen. Das wußte Mette, aber das wollte sie nicht. Darum mußte sie diesen Kampf ganz allein auskämpfen.
Als die Eggebrecht einsah, daß das Kind ihr überlegen war, änderte sie ihre Taktik. Es ging nicht mehr an, Mette als Feindin zu behandeln, darum wurde sie zur Vertrauten gemacht. In Mettes kleines verschwiegenes Herz wurde alles ausgeschüttet, alle Freuden und Kümmernisse dieses Verhältnisses und eine ganze Masse Unrat dazu.
Mette mußte Horchposten stehen, Mette mußte Briefe befördern und Telephongespräche führen, und Mette wurde mit Liebkosungen und Süßigkeiten überschüttet.
Vielleicht hätte ein anderes Kind sich in diesem Zustand sehr wohl befunden. Mette fuhr fort zu leiden.
Es lag wohl auch daran, daß ihr der Mann so widerwärtig war. Wenn es jemand gewesen wäre, der ihr gefallen hätte, hätte sie sich vielleicht eher in die Sachlage gefunden.