Wenn Mette hätte zeigen können, wie es in ihr aussah, so hätte sie geweint und gesagt: „Ich liebe dich, und ich bin eifersüchtig, doppelt eifersüchtig, weil deine Liebe einem Mann gehört, der dich quält, und den zu verachten du vorgibst. Ich leide, daß ich einen Menschen lieben muß, der so wenig Stolz und Charakter besitzt.“

Wenn die kleine Mette ihre unklaren Gefühle in Worten hätte ausdrücken können, so würden diese Worte ungefähr so gelautet haben.

Wer von uns, die wir reife und kluge Menschen sein wollen, die wir gelernt haben, die Worte zu wählen, zu wägen, zu setzen, vermag das auszusprechen, was er empfindet? Selten wollen wir es tun. Und die wenigen Male, die wir uns bemühen, können wir es nicht und werden mißverstanden.

Mette wollte es nicht und konnte es nicht. Sie verlangte Liebe. Aber die konnte sie nicht erbetteln, da beanspruchte sie ihr Recht.

Haben nicht ältere und vernünftigere Leute manchmal so gehandelt?

Mette ging hinein in das Zimmer, in ihr Zimmer, das sie nicht betreten durfte, solange der verhaßte „Kerl“ dasaß. (Mette nannte ihn so in Gedanken, und das war kein Wunder, sie hatte ihn zu oft so nennen hören, wenn das Fräulein in Wut war.) Sie ging hinein, ohne anzuklopfen, sie reckte den Kopf sehr hoch und setzte die schmalen Füße sehr fest auf.

Sie legte die Bücher und Hefte auf den Tisch, klappte den Deckel vom Tintenfaß auf, tat, als ob sie nach der Uhr sähe (sie tat so; denn in Wirklichkeit wurde es ihr schwer, die richtige Zeit festzustellen, so klein war sie noch) und sagte:

„Ich habe jetzt Stunde!“

Der „Kerl“ grinste höhnisch und empfahl sich. Das Fräulein fauchte sie an, wie sie sich unterstehen könne ...?

Mette bemühte sich, etwas sehr Häßliches zu sagen. Und es gelang ihr.