Die drei blieben schweigend zurück. Mette hielt es nicht aus, am Tisch sitzen zu bleiben.
Als sie aufstand, machte Onkel Jürgen eine hastige Bewegung, als wollte er sie zurückhalten. Aber sie ging nicht nach der Tür, sie machte gar nicht mehr den Versuch, zu entkommen. Sie ging an das Fenster und sah durch den geschlossenen Spitzenvorhang hindurch auf die Straße.
Die eintönigen Rufe spielender Kinder drangen herauf. Ein Geschäftswagen rollte heran, hielt vor dem Haus drüben. Der Mitfahrer sprang herunter, schloß auf, belud sich mit Paketen und schlug die Tür mit scharfem Knall wieder zu.
Jede Bewegung, jedes Geräusch prägte sich mit ungewohnter Deutlichkeit in Mettens Gehirn. Es ging nichts in ihr vor, als die scharfe Beobachtung dieser alltäglichen Dinge.
Hinter ihrem Rücken tat die Tür sich auf. Sie hörte des Vaters gedrückte und etwas heisere Stimme:
„Emilie, willst du bitte so gut sein?“
Mette hörte das Stuhlrücken und das Rauschen der Röcke, ohne sich umzudrehen.
Die Tür schloß sich wieder.
Jetzt war sie mit Onkel Jürgen allein. Jetzt hätte sie ihn um irgendeine Erklärung fragen sollen. Er war ja doch von diesen drei Menschen immer noch der vernünftigste. Ach, aber trotzdem, es war zwecklos. Er war ihr ja doch fremd, unendlich fremd.
„Mutter!“ dachte sie, und etwas wie ein krampfhaftes Schluchzen quoll in ihrem Halse auf.