Mette kämpfte vergeblich gegen den Eindruck an, den diese Worte auf sie machten. Ihre gereizten Nerven spürten einen eiskalten Hauch, der sie bis in das innerste Herz erschauern machte. Es schien ihr wie ein mahnender Gruß aus einer dunkel verhüllten Zukunft. Tod – Ende! Ein grauenhaftes Etwas schritt unbeirrbar auf sie zu und warf seinen kühlen Schatten voraus.
Sie fröstelte.
Sie mußte sich anstrengen, um eine äußerliche Ruhe zu erzwingen. Sie krallte die Finger um die Sessellehnen und schluckte ein paarmal.
„Das alles tut ja nichts zur Sache,“ sagte sie endlich mühsam. „Vielleicht sind Sie so gut und teilen mir mit, weshalb man Sie eigentlich gerufen hat, und was man über mich beschlossen hat. Denn es ist doch irgend etwas über mich beschlossen. Wenn nicht in ein Irrenhaus – will man mich dann in ein Kloster sperren, oder in eine Besserungsanstalt, oder nach Amerika verschicken?“
Der Arzt lächelte. „Aber nichts von alledem. Sie werden auf einige Zeit mit Ihrem Onkel, mit Herrn von Seyblitz, zu seiner Familie fahren. – Sie werden in guter Luft und einem ruhigen Leben Ihre Nerven kräftigen und werden dann selbständig zu gesunden und willensstarken Entschlüssen kommen.“
„Wann soll ich fahren?“ stieß Mette kurz hervor.
„Heute noch!“
„Ich muß doch erst einen Koffer packen!“
„Der wird jetzt während unserer Unterredung schon gepackt!“
Das war das, was sie gefürchtet hatte. Mette fühlte die Mauern, die Handfesseln. Sie warf einen Blick um sich wie ein gehetztes, in die Enge getriebenes Tier. Nirgends ein Ausweg, nirgends eine Möglichkeit zur Flucht.