Der Professor versuchte umsonst, sie durch eine leichte Geste der Hand und der Augenlider zum Schweigen zu bringen. Es war zu spät.
Mette hatte schon begriffen. Ganz jäh und mit einem Schlage alles begriffen.
Sie spürte nur die eine brennende Sehnsucht, dies widerliche Geschöpf da unter ihren Händen verenden zu sehen.
Sie wußte nicht, daß sie eine Bewegung machte. Der Boden wich unter ihren Füßen zurück. Sie hörte ein Röcheln, das fremd und grauenhaft war, und das doch aus ihrer eigenen Kehle kam. Sie spürte, daß ihre Finger sich um einen dürren, faltigen Hals krallten und spürte im selben Moment, daß eisenfeste Hände ihre Gelenke umklammerten, so fest umklammerten, daß das Blut ihr in den Adern zu stocken schien, und ihr war, als müßte sie ersticken.
Sie fühlte, daß sie diese Folter nicht einen Herzschlag länger ertragen konnte.
„Loslassen!“ knirschte sie. „Loslassen!“
Der Arzt gab sofort ihren rechten Arm frei. Eine Sekunde später Onkel Jürgen den linken.
Jetzt fing die Haut über den Gelenken an zu schmerzen. Sie rieb sie ganz mechanisch. Sie fühlte sich müde, ruhig, zerschlagen.
Der Gedanke tat ihr fast wohl, daß sie fort sollte, aus diesem Haus, von diesen Leuten fort, jetzt gleich, in dieser Stunde noch.
Sie wandte sich mit ihren Fragen nur noch an den Arzt: