Am anderen Tag holte sich Mette vom Schlosser ein halb Dutzend Schlüssel. Sie erzählte eine Geschichte von einem verlorenen Schrankschlüssel und freute sich fast darüber, wie sicher und unbefangen sie ihre Märchen vortrug.

In der Nacht schlich sie hinunter und probierte die gekauften Schlüssel. Sie hatte die Form und Größe des Schlüssels sich gut gemerkt. Fast alle ließen sich ins Schloß schieben. Aber keiner schloß.

Am anderen Tag erbat sie die Schlüssel, um ein Buch aus der Bibliothek zu nehmen. Während sie vor dem Bücherschrank kniete, löste sie den Schreibtischschlüssel vom Bund. Einen bereitgehaltenen, der ihm äußerlich gleich sah, fügte sie an seine Stelle.

Sie nahm ein Buch aus dem Schrank, ohne zu wissen, welches.

In dem Augenblick, in dem sie Onkel Jürgen das Schlüsselbund zurückgab, glaubte sie, er müsse das rasende Schlagen ihres Herzens spüren. Sie fühlte, daß ihr Gesicht weiß aussehen mußte wie Kalk und bemühte sich, mit steifgefrorenen Lippen zu lächeln.

Der Onkel nahm ihr die Schlüssel ab, ohne von seiner Zeitung aufzusehen und ließ sie mit einem flüchtigen „Danke!“ in die Hosentasche gleiten.

Mette packte ihren Handkoffer und gab eine Depesche auf. In der Dämmerung schaffte sie den Handkoffer nach der Bahn.

Um halb acht wurde zu Abend gegessen. Um halb neun ging der Zug.

Mette klagte während des Essens über Kopfschmerzen. Der Onkel gab ihr auf ihre Bitte ein Pyramidon und empfahl ihr, sich gleich hinzulegen.

Mette sagte: „Gute Nacht!“ während die anderen noch bei Tisch saßen.