Sie standen immer noch auf dem Bahnsteig, der jetzt von den wimmelnden Menschenmassen fast geleert war. Nur ein paar Nachzügler strebten noch nach dem Ausgang.

Mette fühlte sich müde und zerschlagen und empfand den leichten Handkoffer wie eine Zentnerlast. Die kühle Zugluft in der weiten Halle machte sie frösteln.

„Wollen wir nicht zehn Minuten in den Wartesaal gehen?“ fragte sie bedrückt. „Vielleicht fällt mir bei ruhiger Überlegung irgend etwas ein, was ich tun könnte. Aber wenn du zu müde bist, kannst du ja auch ruhig nach Hause gehen!“

„Ja,“ sagte Olga kurz, „und dich hier die Nacht allein auf dem Bahnhof sitzen lassen! Du bist wohl ganz verrückt, mein liebes Kind?“ – – –

Sie saßen in dem leeren Wartesaal und wärmten sich die kalten Finger an den heißen Teegläsern. Mette erzählte die Geschichte ihrer Flucht. Sie nahm die zerknitterten Geldscheine aus ihrer Bluse und stopfte sie in die Tasche.

Mette hatte fast erwartet, daß Olga lachen würde. Während sie erzählte, kam ihr selber die Sache ungeheuer komisch und abenteuerlich vor. Aber Olgas Gesicht blieb tiefernst.

„Und nun?“ fragte sie.

„Ich gehe in ein Hotel!“ sagte Mette eigensinnig.

„Und ich?“

„Du gehst in deine Pension!“