„Ich lasse dich nicht allein.“
„Komm mit,“ sagte Mette mit dem Aufblitzen einer Hoffnung.
„Ja,“ sagte Olga bitter, „und morgen früh kommt die Polizei und bringt uns in Gewahrsam. Ich danke. Dann hab’ ich dich womöglich zu schwerem Einbruchsdiebstahl verführt.“
„Weißt du,“ sagte Mette, nach einer Pause des Nachdenkens, „dann müssen wir’s schon machen wie richtige Defraudanten. Uns in den nächsten Zug setzen und weiterfahren. Einfach auf irgendeiner Station aussteigen und in ein Hotel gehen. Von da aus schreib ich dann an meinen Vater und bitte ihn vor allen Dingen, die Geldangelegenheit in Ordnung zu bringen. Vielleicht ist er auch sonst vernünftig, und ich kann mich irgendwie mit ihm einigen. In einem halben Jahr bekomme ich ja mein Vermögen ausgezahlt, von meiner Großmutter her. Wenn mir mein Vater bis dahin nichts gibt, mache ich eben Schulden daraufhin, das muß doch irgendwie gehen. Also“ – Mette sah nach der großen Abfahrtstafel – „um zwölf Uhr vier geht der nächste Zug!“
Olgas Gesicht verlor den strengen Ausdruck. Eine große Freude lachte aus ihren Augen. Aber sie zögerte noch.
„Du bist doch ganz verrückt!“ sagte sie. „Ohne Nachthemd und ohne Zahnbürste!“
„Wäsche habe ich genug,“ sagte Mette eifrig. „Eine Zahnbürste können wir in Buxtehude auch kaufen!“
„Was du für Ideen hast!“ sagte Olga langsam.
Mette sah, daß sie schon halb überwunden war.
„Großartige Ideen!“ sagte sie strahlend. „Äußerst reizvolle Ideen. Findest du etwa nicht?“