„Ja, aber ich wäre nie darauf gekommen,“ sagte Olga betont. „Du hast mich überredet. Es ist ausschließlich deine Idee!“

„Selbstverständlich! Ich bin viel zu stolz darauf, um mir die Autorschaft von irgend jemand streitig machen zu lassen.“ – – –

Der Zug zwölf Uhr vier war ein Personenzug. Sie saßen allein in einem Nichtraucherabteil, das dämmerig erhellt war durch die zur Hälfte blau verdeckte Glaskugel an der Decke. Sie bemühten sich vergebens, diesen Lichtschirm zurückzustoßen, um die Leuchtkraft des Gasflämmchens voll zu entfachen.

„Laß nur gut sein,“ scherzte Mette. „Es ist gut, wenn wir im dunklen Coupé sitzen, dann können uns unsere Verfolger nicht gleich von draußen erkennen.“

Mette war so voll übermütiger Freude, daß sie diesen Gedanken zu einer lustigen Komödie ausspann und auch Olga mit fortriß.

Sie spielten Flucht. Sie duckten sich, wenn draußen einer vorbeiging. Sie atmeten erlöst auf, als der Zug abfuhr. Mette veränderte ihre Haartracht, um nicht erkannt zu werden. Sie „bestach“ den Schaffner mit der „Summe“ von drei Mark, damit er niemand hineinlassen sollte. Und ängstigte sich nachher, daß die Höhe des Trinkgeldes sie unzweifelhaft als Defraudanten verdächtig machen würde.

„Weißt du,“ sagte Mette geheimnisvoll, „wir dürfen natürlich nicht da aussteigen, wohin wir Karten genommen haben. Dann sind sie uns ja sofort auf der Spur. Wir steigen einfach bei irgendeiner Station aus.“

„Ja,“ sagte Olga, „bei der siebenten. Sieben ist eine heilige Zahl!“

Mette glühte vor Begeisterung. „Ist das schön! Ist das wundervoll! Wir fahren – und wissen nicht wohin! Wir steigen aus – und wissen nicht wo! Wir wachen morgen früh in einer fremden Stadt auf – und wissen nicht, wie sie heißt.“

„Wie das klingt!“ sagte Olga und machte ihr nach. „Wie eine ganz tiefsinnige Angelegenheit. Wir leben – und wissen nicht wie! Wir lieben – und wissen nicht warum! Wir sterben und wissen nicht wann!“