„Das fehlte noch!“ sagte Olga empört. „Nicht einem Dienstmädchen würd’ ich das zumuten!“
„Das ist auch etwas anderes,“ sagte Mette lächelnd. „Es ist eine Auszeichnung, die man einem Dienstmädchen nicht gönnen darf.“
„Du bist ja verrückt!“ Über Olgas Gesicht schoß wieder das dunkle flüchtige Rot.
Sie hatte jetzt auch die dünnen seidenen Strümpfe abgestreift und hielt die nackten Füße gegen die Flammen. Sie hob die Arme und zog langsam Nadel auf Nadel aus dem Haar, bis die schweren schwarzen Strähnen ihr über den Rücken stürzten.
Mette sprang auf einen Stuhl und drehte die Gasflamme aus.
„So!“ sagte sie lachend, „nun kannst du dich malen lassen oder gleich öldrucken und dich goldgerahmt an die Wand hier hängen. Unterschrift: Au coin du feu, oder die Hexe, oder Feuersgluten, oder sonst was Gutes. Wie kann ein Mensch so unverschämt schön sein?!“
„So!“ sagte Olga trocken. „Das hast du hübsch gemacht. Jetzt haben wir keine Streichhölzer.“
„Erstens genügt mir die Beleuchtung,“ sagte Mette und setzte sich auf die Erde in den rötlichen Feuerschein, „und zweitens können wir uns hier immer einen Fidibus anstecken. Wenn wir nichts anderes finden, nehmen wir einen Hundertmarkschein. Davon haben wir ja genug ... Kind, was hast du für märchenhafte Füße ... aber kalt sind sie immer noch wie Eis!“
Sie legte beide Hände um Olgas Fuß. Er war so edel geformt, so schön in Linie und Farbe, als hätte eine Meisterhand ihn aus Marmor gebildet, aber er war auch so kalt und schwer wie Stein.
Mette versuchte, ihn in ihren Händen zu wärmen, sie hauchte darauf, und dann konnte sie der Versuchung nicht widerstehen, sie legte die Lippen auf die kühle, glatte, weiße Haut.