„Ach, laß,“ sagte Mette und entzog sich der streichelnden Hand. „Man muß sich nicht zwingen.“

Olga ließ den Arm schwer herabsinken.

„Man muß sich doch zwingen,“ sagte sie leise und mühsam atmend. „Wenn ich mich jetzt nicht zwingen würde, würd’ ich dich so mit Zärtlichkeiten ersticken, daß du zu Tod erschrecken tätst und davonlaufen.“

Mette fühlte die Adern in ihrem Hals schlagen, daß sie kaum atmen konnte. Sie versuchte zu lächeln, während noch die Tränen von ihren Lidern rollten.

„Tu es nicht,“ sagte sie, „ich würde ganz bestimmt nicht davonlaufen. Aber vielleicht würde ich wahnsinnig vor Glück!“

Da hob Olga langsam die beiden weißen, schlanken Arme und legte sie um Mettens Schultern. Mette fühlte den wohltuend kraftvollen Druck fester und fester werden.

Jetzt, da Olga auf bloßen Füßen stand, waren ihre Gesichter fast in gleicher Höhe.

Sie bohrten die Augen ineinander, ernsthaft und unverwandt und spürten in allen Adern das rasende Hämmern ihrer Herzen.

Dann neigten sie sich gegeneinander wie zwei Verdurstende und legten Mund auf Mund.

Sie ließen einander nicht mehr los. Sie küßten sich nur immer durstiger eins am anderen. Sie gingen durch das Zimmer aneinandergeschmiegt, sie saßen auf dem Bettrand ineinander verschlungen. Die Kleider glitten von ihnen nieder, achtlos, blieben auf der Erde liegen.