Endlich drehte Olga sich um und legte mit einer schönen und merkwürdig behutsamen Bewegung das Papier auf den Tisch. Ihr Gesicht war ruhig, aber ganz weiß.
„Ich will nach den Zügen fragen!“ sagte sie und schritt still hinaus.
Mette war fast froh, noch einen Augenblick allein zu sein. Sie konnte nun in Ruhe überlegen, was zu tun sei. Wenn Olga ging, um nach den Zügen zu fragen, so nahm sie als selbstverständlich an, daß Mette mit dem nächsten Zug nach Hause fuhr. Es war ja auch wohl selbstverständlich, freilich, das war es.
Sie stand seufzend von ihrem Sessel am Kamin auf, stellte den offenen Handkoffer zurecht und fing an einzupacken. Dabei flogen ihre Gedanken hin und her.
Vielleicht war es gar nicht wahr!
Vielleicht hatte Tante Emilie sich das ausgedacht, um sie nach Hause zu locken! Sie ins Gefängnis zurückzulocken!
Wenn doch jetzt eine Depesche von Vater käme, die die erste Nachricht widerriefe!
Oder, wenn es doch wahr war – wenn jetzt eine Depesche von Tante Emilie käme, daß alles vorbei wäre. Dann brauchte sie nicht zu fahren. Oder ob Olga es von ihr verlangen würde?
Wenn doch Olga jetzt heraufkäme und sagte: Es geht kein Zug, heute nicht, morgen nicht, nie mehr. Die Züge bleiben im Schnee stecken – oder der Bahndamm ist eingestürzt ...
Oder wenn Olga jetzt käme und sagte: Fahr’ nicht! Verlaß mich nicht! Laß uns weiterfahren, irgendwohin, wo sie uns nicht finden. Beweise mir, wie du mich liebst, gib alles auf. Was ist dir der fremde Mann, der da im Sterben liegt? Nichts! Zu mir gehörst du, mein bist du! Ich verlange von dir, daß du bei mir bleibst, ich will mich nicht von dir trennen, nicht auf eine Stunde mehr.