Ja, das wäre das Schönste. Aber von allem Unmöglichen war es das Unmöglichste.

Olga machte die Tür auf. Ihre Bewegungen, obgleich rasch, waren so leise, als beträte sie ein Krankenzimmer.

„Um drei Viertel zehn,“ sagte sie und warf einen Blick auf die Armbanduhr. „Wir haben also noch reichlich Zeit, einzupacken und etwas zu essen.“

In Mette zuckte etwas wie Empörung auf. Sie mußte fahren. Sie wurde einfach geschickt. Vielleicht wäre Olga selber an ihrer Stelle nicht gefahren. Olga durfte frei handeln und entgegen allem, was Sitte und Gebrauch war – aber für Mette galt das Normale, das Alltägliche, das Schickliche. Um drei Viertel zehn ging der Zug – sie wurde gar nicht gefragt, ob sie ihn benutzen wollte. Es war der nächste Zug, und also hatte sie damit zu fahren.

Sie packte mit verbissenem Gesicht ihren Koffer weiter.

„Darf ich dir helfen?“ fragte Olga ernst und sanft.

„Danke!“ sagte Mette kurz.

Der rücksichtsvolle Ton quälte sie. Sie hätte so gern ganz brutal die Wahrheit gesagt:

„Du brauchst mich nicht zu behandeln, als wäre ich schwer krank. Das Schlimmste an dieser Sache ist für mich, daß wir uns trennen sollen, daß ich hier fort soll, daß unser Märchen hier ein Ende hat“ – aber sie hatte den Mut nicht, es auszusprechen. Und sie fühlte doch, daß Olga sich beinah scheu zurückhielt, so, als hätte sie kein Recht, Metten in ihrem heiligen, kindlichen Schmerz zu stören.

Mettens Hände stießen beim Packen zufällig auf einen sorgfältig in Seidenpapier gehüllten Gegenstand unten am Boden des Handkoffers. Sie riß das Seidenpapier ab, daß die Fetzen zur Erde flatterten und hielt das goldene Etui in der Hand.