„O Mette!“ rief Olga mit einem leisen, überraschten Aufschrei. „Da ist es ja wieder! Seit wann?“

„Es ist nie woanders gewesen,“ sagte Mette mit einem etwas bedrückten Lächeln. „Ich konnte mich nicht entschließen, es in fremde schmutzige Hände zu geben. Ich wollte dir eigentlich nichts davon sagen – ich wollte es dir zu Weihnachten schenken – aber es ist ja Unsinn – ich will es dir lieber gleich geben.“

Mette ging hinüber und legte es in Olgas Hände, die ihr nicht entgegenkamen.

Olga hielt es ganz still auf den Flächen der Finger, ohne es zu umschließen und sah es mit gedankenschwerem Lächeln an.

„Seltsam,“ sagte sie, ohne die Augen aufzuheben. „Warum jetzt? Warum heute? Man sollte nicht abergläubisch sein, aber manchmal ist es schwer ...“

Mette verstand den Sinn dieser Worte nicht, aber sie fragte auch nicht danach. Sie spürte mit zorniger Eifersucht, daß Olgas Gedanken in einer Vergangenheit waren, die ihr fern, fremd und verschlossen blieb. Aber sie spürte keinerlei Beziehung auf sich selbst.

Es war eine schweigsame Fahrt durch die kalte, dunkle und unfreundliche Nacht.

Mette lehnte mit halbgeschlossenen Augen in einer Ecke und sehnte sich danach, mit viel Zärtlichkeit getröstet zu werden – aber sie hätte nicht gewagt, diese Sehnsucht auszusprechen, auch wenn nicht fremde Menschen mit dumm verschlafenen, glotzenden Gesichtern im Wagen gesessen hätten.

Als Mette fröstelte, zog Olga wortlos ihren Mantel aus und legte ihn ihr über die Knie. Aber Mette wies ihn fast schroff zurück.

„Laß das, bitte! Ich möchte nicht, daß du dich erkältest!“