Sie war zerschlagen an allen Gliedern und hatte das Bedürfnis, nur für eine Stunde sich in ihrem Zimmer einzuschließen und sich aufs Bett zu werfen. Aber sie fand den Mut nicht dazu.
Sie wußte, man erwartete von ihr, daß sie, in Reuetränen zerfließend, am Sterbebette ihres Vaters saß oder womöglich auf den Knien lag.
Sie versuchte das Grauen, das sie schüttelte, zu überwinden und ging hinein, immer wieder. Die dumpfe Luft roch nach Verwesung und Medikamenten. In den vielen weißen Kissen lag ein kleiner, sonderbar knöcherner Schädel, ein fremdes, schief gezerrtes Gesicht mit geschlossenen Augen, dem der röchelnde Atem leise die gelblichen Lippen bewegte.
Mette saß eine Weile still neben dem Bett und ängstigte sich davor, daß dieses schreckliche Röcheln mit einem Male aufhören könne. – Und ängstigte sich fast noch mehr davor, daß dies fremde Etwas plötzlich die Augen auftun und reden könne.
Ärzte kamen, sprachen miteinander in gedämpftem Ton, maßen sie mit mitleidigen Blicken und gingen wieder.
Das Mädchen deckte den Tisch zur gewohnten Zeit und bat im Flüsterton zum Essen.
Tante Emilie ließ alle Verbindungstüren offen und horchte mit gespannter Aufmerksamkeit, während sie ihre Suppe löffelte, ob in dem gleichmäßigen Röcheln eine Veränderung einträte.
Mette vermochte kaum einen Bissen hinunterzuwürgen.
Die frühe Dämmerung kam, und die Lampen wurden wieder angemacht.
Mette wollte ein Buch in die Hand nehmen, aber ein so empörter Blick von Tante Emilie traf sie, daß sie es wieder wegstellte und mutlos die Hände in den Schoß legte.