Gegen Abend wurde das Röcheln schwächer. Der Nasenrücken trat messerscharf aus dem winzigen versunkenen Gesicht.
Der Arzt, der am Abend kam, ging nicht wieder fort. Nun saß noch einer herum und schritt lautlos über die dicken Teppiche auf und ab und wartete.
Das Röcheln wurde schwächer und schwächer. Dann kam noch ein paarmal in kurzen Pausen ein stärkeres knarrendes Ausatmen, und mit einem Male wurde es still.
Man hörte plötzlich, als setzten sie eben ein, alle Uhren im Hause ticken.
Der Arzt beugte sich über das Bett, richtete sich dann wieder auf und ging auf Metten zu, um ihr die Hand zu geben.
Tante Emilie wischte sich über die trockenen Augen, die Mädchen draußen schluchzten auf.
Mette sah und hörte alles wie durch dichte Schleier. Sie hatte Angst, ohnmächtig zu werden.
Der Arzt bemerkte wohl ihr grünlich fahles Aussehen und legte ihr die Hand aufs Haar. „Legen Sie sich hin, Kind!“ sagte er sanft.
„Sie können nichts mehr nützen hier. Sie haben schwere Tage hinter sich und vor sich. Jugend braucht Schlaf.“ – – –
Mette war froh, in ihrem Zimmer zu sein. Aber sie dachte nicht daran, sich hinzulegen. Als sie nach einer Weile den Arzt gehen hörte, faßte sie eine namenlose Angst. Sie war so sterbensmüde und fürchtete sich davor, einzuschlafen, so, als müßten gräßliche Träume sie peinigen, wenn sie die Herrschaft über die Gedanken verlöre.