Olga hob sie auf, zog sie aus wie ein kleines Kind und legte sie ins Bett. Als die Kühle der Laken ihre Glieder berührte, fingen Kälte und Grauen wieder an, sie zu schütteln. Sie war mit einem Schlage wieder hellwach, saß steif aufgerichtet im Bett und bemühte sich vergebens, das gewaltsame Aufeinanderschlagen der Zähne zu unterdrücken.
„Leg’ dich zu mir,“ bat sie flehentlich, „ich muß spüren, daß ich nicht allein bin. Ich hab’ so gräßliche Angst.“
Olga antwortete nicht. Sie verriegelte die Tür, sie stellte die Lampe hinter das Bett, breitete noch einen Seidenschleier über das Licht, ließ den Kimono von den Schultern gleiten – alles mit einem wehen Lächeln und schweren langsamen Bewegungen, als rüste sie sich zu einem Opfergang. Sie schob den Arm unter Mettens Nacken, breitete die Decke fester über sie, strich ihr das verwirrte Haar aus der Stirn.
Und da Mette die Wärme dieses geliebten Lebens, den starken Schlag dieses Herzens spürte, brach sie in ein leises qualerlöstes Weinen aus. Über diesem Weinen schlief sie ein.
Nach einer Zeit, von der sie nicht wußte, ob es Stunden oder Minuten waren, wachte sie wieder auf. Das Licht brannte immer noch. Olga lag reglos neben ihr, mit weit offenen Augen. Mette richtete sich auf und gab ihren Arm frei.
„Warum weckst du mich nicht?“ sagte sie vorwurfsvoll. „Armes, ich habe dir sicher den ganzen Arm zerbrochen, und darum konntest du nicht schlafen.“
Olga drehte ein wenig den Kopf. „Ich hätte auch sonst nicht schlafen können. Ich bin so wach.“
„Woran hast du gedacht?“ fragte Mette und versuchte, in ihren Augen zu forschen.
Olga lächelte ein wenig mühsam.
„Daran, daß deine Leute dich jetzt vielleicht im ganzen Haus suchen. Ich möchte wissen – oder ich möchte lieber nicht wissen, was jetzt in Tante Emiliens Gehirn vorgeht. Sie muß doch rein denken, du bist von der Tarantel gestochen!“