Mette wollte hinüberstürzen. Peterchen hielt sie mit flehender Gewalt zurück.
„Nicht so!“ bat er. „Mach dir schnell das Haar! Zieh dir Schuh an!“ Während sie die Haare glatt strich und aufsteckte, kniete er vor ihr und schnürte ihr die Stiefel zu.
Sie gab ihm recht. Sie konnte nicht auf Strümpfen, mit gelöstem Haar hinüberlaufen, zum Gaudium aller Leute, die hinter den Türritzen lauschten.
Als Mette über den Flur nach dem anderen Zimmer ging, ganz ruhig und aufrecht ging, war sie voll einer starken, kühnen, heißen und beinah frohen Entschlossenheit.
Im Hintergrund des Flurs stand ein fremder Herr in Hut und Überzieher, der sie mit einem durchdringenden Blick musterte.
„Von der Leiche des Vaters weg!“ wimmerte Tante Emilie mit hohem Pathos.
„Die Kriminalpolizei in meinem ehrlichen Hause!“ kreischte Frau Flesch. „Noch nie in meinem Leben hab’ ich was mit der Polizei zu tun gehabt!“
Mette klinkte die Tür mit hartem Griff auf. Das Herz schlug ihr bis an den Hals. Einen Augenblick durchzuckte sie der Gedanke: Vielleicht war alles gut so. Vielleicht war es gut, daß sie jetzt den Mut haben mußte, neben Olga hinzutreten und zu sagen: „Ich gehöre zu diesem Menschen und verlasse ihn nicht und wenn ihr mich und euch in Stücke reißt. Wenn ihr den Mut und das Recht habt, so wendet Gewalt an, freiwillig gehe ich nicht einen Schritt mit euch.“
Olga stand gegen den Tisch gelehnt, die Arme über der Brust gekreuzt, die Ellbogen mit den Fingern umklammert.
Als die Tür aufging, stürzte Tante Emilie mit dem fast geschluchzten Ausruf: „Da ist das unglückliche Kind!“ auf Metten zu.