Sie suchte sich selbst und konnte sich nicht darauf besinnen, wo sie wohl sein könne. Aber ihr war, als sähe sie sich selbst, schmal und schwarz wie ein Gespenst, durch große, dunkle, leere Räume wandern. Dann war es ihr wieder, als sei sie doch dieses hier, und die andere Mette, die so deutlich ihre Züge trug, sei eine Fremde. Traum und Wirklichkeit begannen, sich heillos ineinander zu verschlingen, alle ihre Nerven schienen ihr zu klirren wie losgerissene Saiten, sie sehnte sich in Todesangst nach völliger Bewußtlosigkeit oder plötzlich hereinbrechender Klarheit – es war wie Nebel, die vorbeizogen oder ein vorübergehender Schwindel – eine Minute später konnte sie sich nicht besinnen, was es eigentlich gewesen war, und konnte ihrem Verlobten, der besorgt nach der Ursache ihrer Blässe fragte, keine Antwort geben.

Nur das seltsame Gefühl blieb ihr den ganzen Abend, als sei dies alles nur ein Traum oder ein Spiel. Die ganze Verlobung eine scherzhafte Komödie, und jeden Moment könne, wie ein gestrenger Regisseur, ein Schicksal hervortreten und sagen: „Genug! Die Wirklichkeit fängt wieder an!“ – – –

Am zwanzigsten Juni morgens wurde Mette ans Telephon gerufen.

Eine dünne Männerstimme sprach aus dem Hörer, seltsam verhalten und zögernd.

„Ist das gnädige Fräulein selbst am Apparat? – Mette, sind Sie es? Verzeihung, wenn ich störe – ich hätte dich gern gesprochen!“

Mette fühlte, wie ihr Herz sich losriß und in einen unermeßlichen dunklen Abgrund stürzte.

„Peterchen?“ sagte sie und erquälte ein Lächeln, ohne daran zu denken, daß niemand ihr Gesicht sehen konnte. Und keiner hätte dem bebenden Ton ihrer Stimme dies Lächeln anhören können.

„Ja ... könnte ich dich sprechen, Mette? Das heißt ...“ Wieder war dies scheue Zögern in der Stimme. „Wenn du willst, natürlich ... ich weiß ja nicht, wie weit du noch Interesse hast für deine alten Freunde.“

„Selbstverständlich,“ sagte Mette fest, „jederzeit kannst du mich sprechen ... wann und wo du willst.“

Sie fragte nicht, was geschehen sei. Sie wollte nicht fragen.