„Ich kann doch nicht gut kommen ...“ Wieder dieser zaghafte Ton. „Und ich möchte auch nicht gern auf der Straße ... oder im Kaffeehaus ... es geht wirklich nicht ...“
„Ich komme zu dir,“ sagte Mette rasch. „Sag’ mir nur, wo du wohnst!“
„... ja ... aber ... geht denn das? ... Schließlich ... wenn du nachher Unannehmlichkeiten hast ... du bist verlobt ...“
„Blödsinn!“ sagte Mette schroff. – – –
Während sie über die Straße lief, dachte sie mit keinem Wort an das, was geschehen war. Sie wollte es vor sich selber nicht aussprechen. „Vielleicht ist Olga krank und hat Sehnsucht nach mir,“ dachte sie. „Vielleicht weiß sie auch nichts davon, und Peterchen ruft mich aus eigenem Antrieb.“
Sie malte sich aus, daß sie Olga sehen würde, daß sie ihre Hand halten würde – und sie sagte sich dabei: „Das erzähle ich mir vor, wie man einem fiebernden Kinde Märchen erzählt. Ich male es mir mit den schönsten Farben aus und glaube so wenig daran, wie man an Feen und Zauberer glaubt.“
Aber es war besser, Märchen zu erzählen, Wiegenlieder zu singen, als nach der Stimme zu hören, die ganz tief in ihr die Wahrheit schrie.
Es war seltsam, daß sie – ohne sich umzusehen – die Straße und das Haus fand, so, als wäre sie hundertmal dagewesen.
Als sie klingelte, stand Petermann schon auf der Diele. Das ersparte ihr jede Fragerei. Sie spürte auch jetzt, dem Dienstmädchen gegenüber, dem ersten Menschengesicht, das sie bemerkte, daß sie dazu kaum imstande gewesen wäre.
Er nahm sie bei der Hand und zog sie wortlos, an dem erstaunten Mädchen vorüber, in eine offene Zimmertür.