„Schwöre mir, daß du keine Dummheiten machen wirst ... auch nicht leichtsinnig oder fahrlässig damit umgehen.“
„Ich schwöre es dir,“ sagte Mette. „Wobei nur? Ich kann dir doch nicht bei meinem Leben schwören, daß ich mich nicht erschieße. Ich schwöre es dir bei meiner ewigen Seligkeit. Und bei Olga Radós zehntausendfach geheiligtem Gedächtnis.“
Irgend etwas in ihrem Ton machte ihn betroffen. Er stand langsam von seinem Stuhl auf, wie um seine forschenden Augen den ihren zu nähern.
„Sag mir, Mette,“ sagte er zögernd, „ich möchte nicht, daß ich mir Vorwürfe machen müßte. Ich möchte nicht, daß das, was ich dir erzählt habe, dich in deinen Entschließungen beeinflußt.“
Mette umschloß seine ausgestreckten Finger mit einem kurzen festen Druck. In der leichten Bewegung, mit der sie die Brust hochreckte und mit der Hand über die Hüfte strich, lag eine aufs äußerste gespannte Kraft.
„Ich schwöre dir,“ sagte sie, „daß von dieser Stunde an nichts und niemand mehr mich in meinen Entschließungen beeinflussen kann.“ – – –
Mette ging nicht direkt nach Hause. In wenigen Sekunden tauchten Pläne in ihr auf, formten sich zu Entschließungen. Nichts schwankte hin und her, eh’ es Gestalt annahm, alles trat mit einem Schritt aus der Verborgenheit ans Licht und stand unumstößlich fest.
Sie ging zu einer Speditionsfirma und zu dem Wirt des Hauses, in dem sie lange Jahre gewohnt hatten. Es gab eine Zeit, wo sie sich vor solchen Gängen gefürchtet hätte. Jetzt fühlte sie, daß nie im Leben jemand ihr derlei Unannehmlichkeiten abnehmen würde.
Es tat fast wohl, sich solche winzigen Lasten aufzuladen und die eigene Kraft zu spüren, wenn man sie spielend trug.
Es tat wohl, entschlossen zu sein, mit Umsicht Anordnungen zu treffen, mit Überlegung Unterhandlungen zu führen.