„Bitte nimm Platz,“ sagte sie in einem Ton, so geschäftlich, eilig, fest und undurchdringlich höflich, daß dieser Ton allein schon Tante Emilien in einen Abgrund von Verwirrung stürzte und ihr jede Redemöglichkeit nahm.

„Verzeih, wenn ich dir deinen Nachmittagsschlaf kürze, aber ich habe mit dir zu reden, und zwar Dringliches.“

Mette nahm das Falzbein, drehte es, bog es, schlug damit auf die ausgestreckten Finger und sah diesem Spiel angelegentlich zu, während sie sprach.

„Du wirst dich rasch entscheiden müssen, wo du hinzugehen gedenkst, ich reise ...“

„Du?“

„Ich reise. Der Haushalt wird aufgelöst. Die Wohnung wird vermietet. Newes entbindet mich vom Vertrag. Ich habe schon mit ihm gesprochen. Die Sachen kommen auf den Speicher. In den nächsten Tagen schon. Ich fange heut’ schon an. Morgen kommen die Packer. Du wirst der Kramerei sicher gern aus dem Wege gehen wollen. Ich empfehle dir, in ein Hotel oder in eine Pension zu gehen, bis du dich endgültig entschieden hast. Wenn du heut’ nachmittag die Mädchen brauchst zum Packen deiner Sachen, sie stehen zu deiner Verfügung. Ja, und – ich möchte nicht, daß dir durch meine Entschließungen ein pekuniärer Nachteil entsteht. Am liebsten wäre es mir, wenn du deine Wünsche schriftlich formulierst und an Rosenbaum gibst. Ich habe ihm schon diesbezüglich geschrieben.“

Mette legte das Falzbein hin.

„Ja, das wäre wohl alles!“ Sie stand auf und stützte beide Hände hinter sich auf den Schreibtischrand.

„Also, wenn wir uns nicht mehr sehen sollten, Gott befohlen, und laß es dir recht gut gehen.“

Tante Emilie stand auf mit zitternden Knien, und ihr Gesicht spielte in allen Farbentönen vom Zitronengelben ins Aschgraue.